Ensemble Mobil

Choreografinnen und Choreografen sind eingeladen, mobile Tanzproduktionen mit professionellen Tänzerinnen und Tänzern in der Rhein-Main-Region zu erarbeiten, die den konventionellen Theaterraum verlassen und an außergewöhnlichen Aufführungsorten , wie z.B. im Klassenzimmer, Gemeindezentrum, Tennisclub, dem Bus oder auf freiem Feld, präsentiert werden können. Das mobile Stück soll nach seiner Fertigstellung durch die Region touren. Das Ensemble Mobil lädt Tanzschaffende ein, neue Spielorte und eine regionale Öffentlichkeit auch jenseits der Großstädte als künstlerisches Arbeitsfeld zu erschließen. Zugleich führt es Zuschauergruppen, die an ihrem Wohnort nur wenig Zugang zu Tanz haben, mit Tanzschaffenden der zeitgenössischen Szene zusammen – möglichst schon während der Probenzeit der mobilen Produktion.

 

Ensemble Mobil ist eine Initiative im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main

Lina Lindheimer: As we are waiting

Das erste Stück in der „Ensemble Mobil“-Reihe ist die Performance „As We Are Waiting“ von der Choreografin Lina Lindheimer. Die Präsentation findet im Warteraum eines Frankfurter Jobcenters statt und macht die Menschen zu Protagonisten, die dort sitzen und warten. Den Raum hat Lina Lindheimer gewählt, weil er einen Zwischenraum bildet – einen Raum zwischen vermeintlichem Nichtstun und wieder-einen-Job-finden, zwischen Stillstand und neuer Bewegung. Doch Warten muss nicht unbedingt Stillstand bedeuten. Choreografinnen und Choreografen verstehen Pausen als Bestandteil von etwas Ganzen. Stillstand existiert für sie nicht. „Was tun wir, während wir nichts tun?“, fragt sich Lina Lindheimer deshalb – und gibt diese Frage an die Wartenden im Jobcenter weiter: „Was machen Sie, wenn Sie warten? Gibt es typische Bewegungen, die Sie während des Wartens ausführen? Wohin gelangen Sie wartend in Ihrer Vorstellungswelt?“, will sie zum Beispiel wissen. Die Antworten werden anonym in einem separaten Raum vor Ort gesammelt, aufgezeichnet und dann über Kopfhörer Performerinnen und Performern zugespielt, die sich zeitgleich im Warteraum befinden. Die Performer sprechen die Texte, die sie hören, schlüpfen also in die Rolle der Wartenden und folgen Träumen und persönlichen Utopien. Gemeinsam schaffen die Anwesenden so einen Perspektivwechsel, der den Blick auf das Potential und die Bewegung im scheinbaren Stillstand schärft.

Die Performance findet an vier Tagen im Februar 2017 im Jobcenter Frankfurt-Ost statt und ist ausschließlich für die Menschen zugänglich, die zum Präsentationszeitpunkt zufällig dort warten.

Idee / Konzeption: Lina Lindheimer * Umsetzung: Katja Dreyer, Mart Kangro, René Liebert, Lina Lindheimer, Lito Walkey * Ton: Nils Weishaupt *
Bühne: Anne Kuhn, René Liebert * Performed von Mart Kangro, Lito Walkey, Katja Dreyer * mit Unterstützung durch das Jobcenter Frankfurt am Main.