Pressemitteilung, erstellt am Mi. 16.05.2018

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

geht es um Neubauten von Kulturinstitutionen, erhitzten sich die Gemüter, auch in Frankfurt wird gerade leidenschaftlich über die Zukunft der Städtischen Bühnen diskutiert. Indessen inszeniert das Künstlerkollektiv YRD.Works in der Nachbarmetropole Offenbach ein Bauprojekt der anderen Art und in der Königsklasse performativer Disziplinen: die OPER OFFENBACH. Auf der hochattraktiven Inselspitze im Hafen wählen sie sich mit Prospekt, Orchestergraben, Loge und Bühne den Opernbau  als Thema und laden zu Soiree, Matinee und mehreren Nocturnes, zur Betrachtung, zu Raumskulpturen, Konzerten und neuen Perspektiven auf das Verhältnis eines Kulturbaus zu seiner Stadt. OPER OFFENBACH: (8.6.-13.7.: Prospekt-Soiree, 8.6., 19–22 Uhr / Prospekt-Matinee, 17.6.,12–16 Uhr / Graben, 23.6.,16 Uhr / Loge-Nocturne I, 29.6., 22 Uhr / Loge-Nocturne II, 30.6., 22 Uhr / Loge-Nocturne III, 7.7., 22 Uhr / Bühne, 13.7., 21 Uhr. MT-Koproduktion, Hafeninsel Offenbach / Detaillierte Programminformationen ab 20.5.: www.operoffenbach.yrd.works

Anne Teresa De Keersmaeker hat mit ihrer Kompanie Rosas legendäre Tanzstücke geschaffen und sich wiederholt mit zentralen Werken der Musik sowie der Beziehung von Komposition und Bewegung auseinandergesetzt. Mit dem französisch-kanadischen Cellisten Jean-Guihen Queyras findet sie für ihre choreografisch-tänzerische Begegnung mit Bachs Cellosuiten „Mitten wir im Leben sind. Bach 6 Cellosuiten“ (5. & 6.6., 20 Uhr) einen kongenialen Interpreten in ihrer Versuch einer Annäherung an die Essenz von Bachs Musik, ihre erfindungsreiche Struktur und Schönheit.

Der Schweizer Regisseur Boris Nikitin inszeniert seinen „Hamlet“ (9.6., 20 Uhr & 10.6., 18 Uhr) nicht nach dem klassischen Shakespeare-Stoff, sondern entwickelt mit dem genialen Performer und Elektromusiker Julian Meding, der sich, verletzlich und fordernd zugleich, dem Publikum aussetzt, eine hochspannende Mischung aus queerem Musiktheater und eigener Theatervision über Identität, Krankheit und Wirklichkeit. Im Dialog mit dem live auf der Bühne spielenden, preisgekrönten Barockensemble Der Musikalische Garten gelingt eine konfrontative und subjektive Befragung des Theaters als Ort von Solidarität.

Auf diese verlässt sich auch der Autor, Performancekünstler und Preisträger der Frankfurter Autorenstiftung Daniel Bernhard Cremer, am Piano begleitet von Vincent Stefan, in „Born to make you happy“ (15.-17.6., 20 Uhr, MT-Produktion), das wir wiederaufnehmen. Der im vergangenen September im Rahmen des Musikfests Frankfurt herausgekommene Liederabend ist eine Verabredung mit dem Publikum zum absoluten Glück, ein aufregender Trip von der „Winterreise“ in künstlicher Fremdsprache bis hin zum kollektiven Flokatikuscheln, bei dem alles gesagt werden kann, in allen Sprachen.

Die Schweizer Theaterkünstlerin Penelope Wehrli ist international bekannt für ihre sinnlichen, multiperspektivischen Raum- und Ereigniskonzeptionen, die sie u.a. für Johann Kresniks Ensemblechoreografien wie auch internationale Opernbühnen oder als Eigenkreationen geschaffen hat. Für „Eadweard‘s Ear – Muybridge extended/Frankfurter Editionen” (22.6., 20 Uhr & 23.6., 18 Uhr, MT-Koproduktion) ließ sich Wehrli von den Fotoserien tierischer und menschlicher Bewegungsabläufe inspirieren, die Muybridge als Pionier der Fotokunst im 19. Jahrhundert anfertigte. Über ein elektronisches Interface begegnen sich in einer hochdifferenziert gestalteten Raumkomposition die Berliner Tanzcompagnie Rubato und ein virtuoses Instrumentalquartett - Alejandra Cardenas (E-Gitarre), Stephanie Hupperich (Fagott), Alexander Nickmann (Schlagwerke) und Gerriet K. Sharma (Komposition).

Mit Johnny Rottens „I wanna be anarchy“ startete Punk(rock) als Musikgenre und Haltung, nihilistisch gegen die Konsumgesellschaft, ihre Ästhetiken und Werte opponierend und etablierte eine Subkultur des Rohen, Provokanten, die später begeistert vom Mainstream absorbiert wurde. Paula Rosolen schaut auf die Ursprünge des Punk, extrahiert seine roughe Körperlichkeit und seine Bewegungscodes und entwirft mit ihrer Compagnie Haptic Hide in
„PUNK‽“  (Uraufführung, 28.-30.6., 20 Uhr, MT-Koproduktion im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main) spannende Verbindungen zwischen Punk und zeitgleichen Entwicklungen im Postmodern Dance.

Das Performance-Kollektiv LIGNA lädt Kinder zwischen acht und zwölf Jahren dazu ein, den Römerberg zu erobern und  über Kopfhörer einem Hörspiel zu folgen, in dem sich Erzählungen und Bewegungsanweisungen mischen. Ideengeberin für LIGNA‘s Stück ist die Choreografin Jenny Gertz (1891–1966), eine Pionierin des Modernen Tanzes und Visionärin in der Arbeit mit Kindern. Individuell oder als Gruppe/ Klasse buchbar unter: anmeldung@tanzplattformrheinmain.de. LIGNA „Klasse Kinder!“ (9. & 17.6., 15 Uhr & 16 Uhr, ALL IN, eine Produktion von Künstlerhaus Mousonturm und Hessischem Staatsballett im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main).
„Liebe“ (Uraufführung 9.6., 18 Uhr; 10. & 11.6., 20 Uhr, HTA) ist ein weit angelegter Versuch des Performers und in verschiedenen Konstellationen und Genres tätigen Künstlers Leander Ripchinsky, sowohl mit alten Lieben zusammenzuarbeiten als auch neuen Sehnsüchten und Intuitionen künstlerisch nachzugehen. Dafür bat er 50 Künstlerinnen und Künstler, jeweils ein Solo für ihn zu erarbeiten. Diese Soli, die mit unterschiedlichen Zeitlichkeiten und Vertrautheiten spielen, werden im Körper Ripchinskys konserviert, sodass über die Jahre immer wieder aktuelle Versionen der Performances gezeigt werden können. Eine erste Gelegenheit, Stücke aus der weiter wachsenden Sammlung zu erleben, gibt es nun am Mousonturm.

Romuald Krężel war in seiner Zeit als Schauspieler als sympathischer Vater oder netter Typ von nebenan zu sehen, unter anderem auch in zweiundzwanzig TV Werbespots, u.a. für Schmerzmittel, Bosch und Kaufland. In diesen Rollen war Humor sein Markenzeichen. Mit dem Blick nach vorn reflektiert Krężel in seiner Abschlussinszenierung „Retrospective“ (Uraufführung, 21.6., 20 Uhr & 22.6., 18 Uhr, HTA) seine vergangene Tätigkeit, die Bedingungen künstlerischer Arbeit und die Unterschiede zwischen der Arbeit, die man tun will, und der, die man tun muss.

Hannes Seidl (Komponist) und Daniel Kötter (Filmemacher, Regisseur) zieht es im Vorfeld ihres neuen Stückes „Land (Stadt Fluss)“, das wir im September 2018 im Mousonturm zeigen, nach Mittelhessen. Dort gründen sie mit Aktivistinnen, Anarchisten, Landwirtinnen, Theoretikern und Musikerinnen eine temporäre Landkommune und testen das Zusammenleben, -wohnen, -arbeiten, -essen, -diskutieren, -musizieren und -feiern auf dem Land. Und mehr:  Die temporäre Land-WG steht allen, die Lust darauf haben, offen, die Dauer des Aufenthalts ist jedem freigestellt, umfasst jedoch idealerweise mindestens eine Nacht. „Land (Stadt Fluss) – Die Kommune“ (30.5., 16 Uhr bis 3.6., 24 Uhr, Mousonturm-Koproduktion, Johannishof, 65594 Runkel, Informationen zu Ort, Anreise, Ablauf: www.mousonturm.de

Für vier Tage beziehen wieder Studierende des Masterstudiengangs „Choreographie und Performance“ des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen die Bühnen, Foyers und Gänge des Mousonturms und verbinden in ihrem Festival „“Rough Proposals 2018” (28.6.–1.7., HTA, Detailprogramm www.mousonturm.de) das Kuratieren, Inszenieren und Performen. Überaus vielfältig sind auch die Themen choreografischer Auseinandersetzung - ökonomische Strukturen, politischer Aktivismus, die Rhythmen des Alltags, Gewalt und Vertrauen, post-ironische Narrative - mit denen sich die verschiedensten Inszenierungsansätze befassen und zum Experiment und Neu-Denken laden.

Short T(r)ip: Mousonturm goes Berlin und richtet zum Themenwochenende „Claiming Common Spaces“ (21.-23.6.) in Berlin, einem Projekt des Bündnisses Internationaler Produktionshäuser, die „McDonald’s Radio University” des japanischen Künstlers Akira Takayama ein. Die Lecture-Reihe entstand gemeinsam mit geflüchteten Lehrenden in Frankfurter McDonald’s-Restaurants und wird in Berlin im Hebbel am Ufer (HAU) sowie auf einem Ausflugsboot adaptiert, das über Spree und Landwehrkanal schippert.
Janna Pinsker und Wicki Bernhardt haben mit ihrem Publikumsformat „Die Vermittlungsmaschine schlägt zu III“( 9./ 10./ 22./ 23.6., nach den Aufführungen) ein vergnügliches Angebot etabliert. Nach assoziativem Scrabble und Audio Walks sind sie jetzt dem Löxsi* (Löxsi: Das Gefühl zum Stück, das man gerade gesehen hat, bevor man sich mit anderen austauscht) des Publikums auf der Spur und wollen es mit choreografischen Formationen verorten. Ein zweiter Plan ist eine Führung durch den Bühnenraum nach der Aufführung, in der die Nebenschauplätze in den Fokus rücken.

Im next generation workspace arbeiten wieder 12 internationale junge Künstlerinnen und Künstler an neuen Ideen für Theater, Tanz und Performance für junge Menschen, möchte ihr Publikum kennenlernen und laden Jugendliche und Kinder im Alter von 9 bis 16 Jahren für zwei Tage in ihr Forschungslabor, den next generation workshop zum Nachdenken und Ausprobieren (19. & 20.7., 11–17 Uhr). Mit Charlotte Bösling (D), Max Brands (D), Olivia Furber (UK), Tijana Grumic (SRB), Anna Hasche (D), Solveig Hörter (D), Sara Marchand (CA), Hanna Steinmair (D), Bastian Sistig (D), Ia Tanskanen (D), Joana Tischkau (D), Jermiah Ikongio (NGA). Kontakt, Infos & Anmeldung: all.in@mousonturm.de.

Im Rahmen der Ringvorlesung „Dramaturgien der Theaterarchitektur“ der Hessischen Theaterakademie, die sich mit Fragen nach der städtebaulichen sowie gesellschaftlichen Position des Stadttheaters auseinandersetzt, sind im Juni zu Gast: Heiner Goebbels: „Für ein Theater, das wir noch nicht kennen“ (7.6., 18 Uhr); Serge von Arx: Das Theatrale in der Stadt (14. 6.,18 Uhr); Cathy Turner: Colliding logics of architecture and performance (21. 6., 18 Uhr).


KONZERT & LESUNG

In einer Mischung aus performativer Lesung und Vortrag, durch Bilder und Videos und in der Diskussion, werden in „Tropical Underground: Verschlingungen – Einführung in den brasilianischen Hunger“ (13.6., 18 Uhr) die brasilianischen Dichter Adelaide Ivánova und Ricardo Domeneck gemeinsam mit dem deutschen Philosophen und Übersetzer Oliver Precht ein Schlaglicht auf Anthropophagie in der brasilianischen Literatur werfen.

Im letzten The LOKAL Listener vor den Ferien trifft Gregor Praml The Oh!chestra (24.6., 11 Uhr), die 11 Jahre lang als The OhOhOhs und einem Mix aus E-Piano, Sampling, Drums und Percussion auf der Bühne für legendäre Auftritten sorgten. Die Lust auf Neues, Kammermusikalischeres, Experimente und Musikmachen mit Gastmusikern ließ The Oh!chestra entstehen und Dancebeats im Mix mit Originalwerken namens „Floating Schubert“ oder „Partita Tech“.

Im letzten Salon vor der Sommerpause kreiert Wilted Woman aus New York in ihren Live-Sets aus abstrakten Sounds und konkreten Rhythmen experimentelle, tanzbare „wrong dance music done right“ und die drei MMODEMM-Labelbe-treiberinnen und -betreiber begleiten sie dabei durch den Abend. Aether Carl aus Frankfurt hingegen versucht in einem Hybrid-DJ-Set aus Platten und Kassetten eine sonische Verbindung zwischen Dies- und Jenseits herzustellen. Enjoy drinks & talks at the bar: Der Geheime Salon (28.6., 20.30 Uhr).


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Herzliche Grüße
Künstlerhaus Mousonturm