Frankfurter Positionen 2017
Fr. 27.01. — So. 12.02.2017

ICH RELOADED

DAS SUBJEKT IM DIGITALEN NETZ
THEMA DER FRANKFURTER POSITIONEN 2017

 

Mit oder ohne Stick, die eigentümliche Körperhaltung mit dem weit von sich gestreckten Arm lässt sofort erkennen, hier wird ein Selfie inszeniert. Das immer verfügbare Smartphone macht es möglich. An allen Orten, auf der Straße, im Restaurant oder Zuhause wird sich in Szene gesetzt, doch auch das privateste Selbstbild bleibt nicht lange privat.

Weil andere daran teilhaben sollen, wird das Foto mit einem Klick ins Netz gestellt; Daten, die nicht mehr verloren gehen. Sie sind preisgegeben, werden gespeichert, auf vielen Datenbanken gespiegelt, durch unscheinbare Algorithmen gejagt und mit anderen personenbezogenen Daten verbunden, so dass aus ihnen ein personenbezogenes Datenprofil wird. Zumeist wird mit den so genannten AGB’s von Facebook, Whatsapp und Google akzeptiert, dass diese Daten weiter verwertet dürfen. Für welche Zwecke, ob kommerziell oder politisch, bleibt dem Nutzer in vielen Fällen unbekannt. Viele finden es eher amüsant, wenn sie nach dem Kauf eines Buchs bei Amazon den Hinweis erhalten, dass sie ein bestimmter Film oder Hygieneartikel auch interessieren könnte. Weniger erfreulich ist es, wenn eines Tages ein Versicherungskonzern den Abschluss einer Versicherung mit Verweis auf das Datenprofil ablehnt.

Kann man diesem digitalen Datenprofil mit seinem wirklichen Ich noch entgegentreten oder ist das eigene Selbstbild unglaubwürdig geworden? Ist das Internet nur die schöne neue Welt der Kommunikation, die unbestreitbar viele Vorteile mit sich gebracht hat, oder verbirgt sich dahinter auch eine Grauzone mit Umwälzungen, die sich der Kenntnis und der Mitwirkung des Einzelnen entziehen?

Die Frankfurter Positionen 2017 wollen sich dem Phänomen des Selfie und der Selbstbespiegelung der Smartphone-Generation intensiver widmen und die Frage stellen, was sie antreibt, sich fortlaufend selbst darzustellen und öffentlich zu präsentieren. Dabei ist das Selfie zugleich Sinnbild für eine grundsätzliche Bereitschaft, seine sehr persönlichen Daten dem Internet zu überlassen. Passen die – aus der analogen Welt stammenden – Begrifflichkeiten noch, mit denen versucht wird, dem Subjekt die Fähigkeit zur Selbstvergewisserung und zu mehr oder weniger freien Entscheidungen zuzusprechen? Oder muss man sich mit der Existenz eines digitalen Subjekts, wie Olga Goriunova es nennt, anfreunden, welches selbständig und unabhängig aus den im Netz verfügbaren Daten unser Ich mit definiert.

Wird das Ich neu hochgeladen? ICH RELOADED – Das Subjekt im digitalen Netz – zu diesem Leitthema sind die beauftragten Künstler und vortragenden Wissenschaftler gebeten worden, mit ihren Positionen dem Selbst und dem Subjekt im digitalen Zeitalter näher auf die Spur zu kommen.

Die Frankfurter Positionen

Die 2001 erstmals veranstalteten Frankfurter Positionen, die sich als Erfahrungs- und Erkenntnisforum verstehen, sind ein interdisziplinäres Festival mit Konzerten, Theater, Ausstellungen und Performances. In einem etwa zweijährigen Turnus werden Künstler sowie Referenten gebeten, mit ihren neuen Arbeiten oder ihren Beiträgen zu der begleitenden Vortragsreihe eine Positionsbestimmung zu dem sich vollziehenden gesellschaftlichen Wandel und zu den Veränderungen in der Lebenswelt zu formulieren. Die Frankfurter Positionen initiieren so einen kontinuierlichen kreativen Prozess mit dem Ziel, neue Sichtweisen und soziale Phantasie zu entwickeln.

Das Projekt ist eine Initiative der BHF-BANK-Stiftung, die – unter Einbeziehung unabhängiger Fachjurys – die Aufträge zur Erstellung neuer Werke an die beteiligten Künstler erteilt. Die Frankfurter Positionen werden von einem breiten Kultur-Netzwerk getragen, bei dem diesmal 18 Institutionen zusammenarbeiten. Seit der Etablierung des Projekts haben mehr als 120 Theaterautoren, bildende Künstler, Komponisten, Choreographen und Filmemacher die Möglichkeit erhalten, neue Werke zu schaffen und diese in und mit bedeutenden Institutionen während der Frankfurter Positionen vorzustellen.

Die Partner der Frankfurter Positionen 2017

BHF-BANK-Stiftung
Deutsches Theater Berlin
Ensemble Modern
Frankfurt LAB
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Institut für Sozialforschung (IfS)
Kammerspiele München
Künstlerhaus Mousonturm
MMK Museum für Moderne Kunst
Nationaltheater Mannheim
Ruhrtriennale
Schauspiel Frankfurt
S. Fischer Verlag
Städelschule/Portikus
Suhrkamp Verlag
Verlag der Autoren
Medienpartner hr2-kultur