Doppelpass mit YRD.Works

Das junge Offenbacher Künstler- und Gestalterkollektiv YRD.Works, bestehend aus Yacin Boudalfa, David Bausch und Ruben Fischer, und das Team des Mousonturm unterziehen im Rahmen eines zweijährigen, von der Kulturstiftung des Bundes initiierten und geförderten Doppelpass-Projekts die Idee „Künstlerhaus“ einer fundamentalen Revision: Künstlerhaus 2.0 sucht nach unterschiedlichen Dispositiven eines postdisziplinären Künstlerhauses der Zukunft, das sich von den Paradigmen gegebener architektonischer, institutionalisierter und kulturpolitischer Setzungen befreit.

YRD.Works sind Nonkonformisten. Ihre Aktionen bewegen sich außerhalb gängiger künstlerischer Produktions- und Verwertungssysteme. Anstatt sich in gegebene Architekturstrukturen einzupassen, schaffen sie temporäre Räume. Anstatt dem Autonomiegebot der Kunst zu folgen, schaffen sie Begegnungsorte. Und anstatt sich im Sinne des Kulturauftrags Gentrifizierungsprozessen kritisch zu widersetzen, entwickeln sie ihre Umnutzungs- und Besiedlungskonzepte auf einem der spekulations-trächtigsten Areale Offenbachs, dem ehemaligen Hafengelände. Impulsgebend ist für YRD.Works immer die Frage: Was fehlt an einem Ort? Ob Turnierstätte, Club, Restaurant oder Kunsthalle - der Bau ihrer großformatigen, begeh- und benutzbaren Raumskulpturen wird stets zum performativen und sozialen Ereignis.

Auch die ersten Künstler am Mousonturm konzipierten das Haus als offenen Ort im Geist konsequenter Interdisziplinarität. Heute ist das Künstlerhaus mit seiner Personal- und Infrastruktur hocheffizient auf die Realisierung internationaler Produktionen in seinen Blackbox-Bühnen spezialisiert. Nach dieser erfolgreichen Konsolidierungsphase befragt nun das Team des Mousonturm seit einigen Jahren die Einflüsse dieser räumlichen und logistischen Strukturen auf künstlerische Prozesse.

contact Gonzo (Osaka), Les Trucs (Frankfurt), YRD.Works (Offenbach): 1. Offenbacher Seefestspiele,
6.–9.7. im Offenbacher Hafen

Eine Brache, eine Pfütze, Beton, Holz, vier Wochen Vorbereitungszeit und neun Künstlerinnen und Künstler – das sind die Ausgangselemente für die 1. Offenbacher Seefestspiele. Das Kollektiv YRD.Works verwandelt den Hof vor der Kressman, eine Ausstellungshalle, die sie seit einem Jahr im Offenbacher Hafen betreiben in einen utopischen Raum, in dem sie ihn mit 180.000 Litern Wasser fluten und mit einer Mauer umranden. Der von ihnen erschaffene Hybrid aus Wasserbecken, begehbarer Skulptur und Bühne wird während der Seefestspiele an jedem Tag mit einer anderen performativen Aktion bespielt.  Künstlerische Komplizen sind dabei das Musik-Duo Les Trucs – bekannt für Experimente mit elektronischen Gerätschaften – und das Kollektiv contact Gonzo, das mit seinen halsbrecherisch-verspielten Performances die Kunstwelt von New York bis Tokio erobert hat. Gemeinsam decken sie das phantastische Potential auf, das unter dem Pflaster des Offenbacher Hafens schlummert.

Infos zum Programm unter www.seefestspiele.yrd.works

INSTALLATION/PERFORMANCE/KONZERT * Deutsch, Englisch, Japanisch * Von und mit: contact Gonzo (Yuya Tsukahara, Takuya Matsumi, Keigo Mikajiri, NAZE), Les Trucs (Charlotte Simon, Zink Tonsur), YRD.Works (David Bausch, Yacin Boudalfa, Ruben Fischer) * Ein Projekt von YRD.Works und Künstlerhaus Mousonturm, gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes und durch die Freunde & Förderer des Mousonturm e.V. * In Kooperation mit dem Amt für Kultur- und Sportmanagement der Stadt Offenbach am Main und der OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH.

Messerschmiede

Vom 7. bis 21. April 2017 betrieben YRD.Works als erste Aktion im Rahmen ihrer Doppelpass-Partnerschaft eine Messerfabrik im Künstlerhaus Mousonturm. Die Fabrik, ein in vier Kammern unterteilter Holzbau, nahm wie ein Parasit große Teile des Lokalbereichs im Mousonturm in Beschlag. Weniger die handwerkliche Showeinlage für die Gäste des Restaurants als die Herausforderung, ein möglichst universell nutzbares Produkt zu entwickeln, trieb die drei Künstler bei diesem Unternehmen an. Dreiviertel der Messerschmiede waren nicht einsehbar, nur der Showbereich war begehbar. Dennoch war der Produktionsprozess als lärmende Soundinstallation präsent und schaffte interessante Spannungen und Irritationen bei den Besucherinnen und Besuchern des Restaurants.

YRD.Works begrenzten die Produktion der Messer auf hundert Stück und schufen so eine limitierte Auflage. Während der Öffnungszeiten der Messerschmiede nahmen sie Bestellungen von Kundinnen und Kunden entgegen, die sie dann produzierten. Die Messer konnten während des Ausverkaufs am 22. & 23. April im Ladenbereich der Messerschmiede abgeholt werden.

Das Künstler-Kollektiv interessierte der ambivalente Status des Unternehmens. Was ist die Messerschmiede und das von uns dort produzierte Messer? Alltäglicher Gebrauchs- oder limitierter Kunstgegenstand? Künstlerische Performance oder kommerzieller Pop-Up-Shop? Handwerkliche Präzisionsarbeit oder serielle Produktion? Oder auch ganz banal - Werkzeug oder Waffe?

 
Kressmann-Halle, Offenbach

Kressmann-Halle, Offenbach

YRD.Works

2015 bauten sie ein alternatives Fitnessstudio aus fünf Tonnen Beton im Keller des Atelierhauses der Hochschule für Gestaltung in der Geleitsstrasse 103 in Offenbach. Als Vorbild und pastellfarbene Orientierung diente das namengebende Kalifornische Gefängnis „Pelican Bay“ und dessen Häftlings-Gym. Zuletzt führten sie im Offenbacher Hafenviertel die Kernsanierung einer alten Werkshalle durch, die zur Kressmann-Halle für zeitgenössische Kunstausstellungen umfunktioniert wurde. Die Ausstellungshalle soll lokalen Künstlern als Plattform dienen und gleichzeitig eine Verbindung zu einer überregionalen Kunstszene ermöglichen. Das Ausstellungskonzept der Kunsthalle sieht vor, internationale Künstler und Künstlerinnen in Offenbach auszustellen und so einen Dialog zu eröffnen.

 
Pelican Bay, Geleitsstraße Offenbach

Pelican Bay, Geleitsstraße Offenbach