Doppelpass mit YRD.Works

Das junge Offenbacher Künstler- und Gestalterkollektiv YRD.Works, bestehend aus Yacin Boudalfa, David Bausch und Ruben Fischer, und das Team des Mousonturm unterziehen im Rahmen eines zweijährigen, von der Kulturstiftung des Bundes initiierten und geförderten Doppelpass-Projekts die Idee „Künstlerhaus“ einer fundamentalen Revision: Künstlerhaus 2.0 sucht nach unterschiedlichen Dispositiven eines postdisziplinären Künstlerhauses der Zukunft, das sich von den Paradigmen gegebener architektonischer, institutionalisierter und kulturpolitischer Setzungen befreit.

YRD.Works sind Nonkonformisten. Ihre Aktionen bewegen sich außerhalb gängiger künstlerischer Produktions- und Verwertungssysteme. Anstatt sich in gegebene Architekturstrukturen einzupassen, schaffen sie temporäre Räume. Anstatt dem Autonomiegebot der Kunst zu folgen, schaffen sie Begegnungsorte. Und anstatt sich im Sinne des Kulturauftrags Gentrifizierungsprozessen kritisch zu widersetzen, entwickeln sie ihre Umnutzungs- und Besiedlungskonzepte auf einem der spekulations-trächtigsten Areale Offenbachs, dem ehemaligen Hafengelände. Impulsgebend ist für YRD.Works immer die Frage: Was fehlt an einem Ort? Ob Turnierstätte, Club, Restaurant oder Kunsthalle - der Bau ihrer großformatigen, begeh- und benutzbaren Raumskulpturen wird stets zum performativen und sozialen Ereignis.

Auch die ersten Künstler am Mousonturm konzipierten das Haus als offenen Ort im Geist konsequenter Interdisziplinarität. Heute ist das Künstlerhaus mit seiner Personal- und Infrastruktur hocheffizient auf die Realisierung internationaler Produktionen in seinen Blackbox-Bühnen spezialisiert. Nach dieser erfolgreichen Konsolidierungsphase befragt nun das Team des Mousonturm seit einigen Jahren die Einflüsse dieser räumlichen und logistischen Strukturen auf künstlerische Prozesse.

YRD.Works

2015 bauten sie ein alternatives Fitnessstudio aus fünf Tonnen Beton im Keller des Atelierhauses der Hochschule für Gestaltung in der Geleitsstrasse 103 in Offenbach. Als Vorbild und pastellfarbene Orientierung diente das namengebende Kalifornische Gefängnis „Pelican Bay“ und dessen Häftlings-Gym. Zuletzt führten sie im Offenbacher Hafenviertel die Kernsanierung einer alten Werkshalle durch, die zur Kressmann-Halle für zeitgenössische Kunstausstellungen umfunktioniert wurde. Die Ausstellungshalle soll lokalen Künstlern als Plattform dienen und gleichzeitig eine Verbindung zu einer überregionalen Kunstszene ermöglichen. Das Ausstellungskonzept der Kunsthalle sieht vor, internationale Künstler und Künstlerinnen in Offenbach auszustellen und so einen Dialog zu eröffnen.

Messerschmiede, Neueröffnung

am 7.4. um 19 Uhr

Das Offenbacher Gestalter-Trio YRD.Works steigt am Mousonturm in die serielle Produktion und den Vertrieb von Messern, dem Urwerkzeug des Menschen, ein. Als künstlerische Nonkonformisten haben David Bausch, Yacin Boudalfa und Ruben Fischer bereits eine Reihe von Institutionen gegründet und sich die dazu nötigen Fähigkeiten angeeignet. Egal ob Saunabar, Fitnessstudio, Club oder Kunsthalle, YRD.Works meinen es mit jedem Unternehmen ernst. Sie schaffen außergewöhnliche Kommunikationsorte, die die gängigen Produktions- und Verwertungssysteme der Kunst aushebeln und anderen ökonomischen und sozialen Regeln folgen. Mit der Messerschmiede starten YRD.Works und das Künstlerhaus Mousonturm ihre zweijährige „Doppelpass“-Partnerschaft. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes werden YRD.Works im Wechsel den Mousonturm und das Hafengebiet in Offenbach bespielen und an ihrem ganz persönliches Künstlerhaus bauen.

WERKSTATT/LADEN * Öffnungszeiten: täglich 17–21 Uhr * Ruhetage: 11.–12.4., 16.–18.4., 20.–21.4. * Konzept, Produktion, Verkauf: David Bausch, Yacin Boudalfa, Ruben Fischer.

 
Kressmann-Halle, Offenbach

Kressmann-Halle, Offenbach

 
Pelican Bay, Geleitsstraße Offenbach

Pelican Bay, Geleitsstraße Offenbach

 
Beitrag zur Luminale 2016 (c) Szymon Zych

Beitrag zur Luminale 2016 (c) Szymon Zych