Sam Hopkins (Nairobi), Simon Rittmeier (Paris), Yves Sambu (Kinshasa), Otieno Gomba (Nairobi)
FACING THE MOCKERY
Mi. 28.10. — So. 01.11.2015

AUSSTELLUNG

ORT
Studio 2 & Foyer 1. OG.
Waldschmidtstr. 4, Mousonturm

Darf man die Jahrhunderte alten Objekte einer ethnografischen Sammlung benutzen, um damit ein Aerobic-Video zu drehen? Ist Schnapstrinken und Tanzen auf Gräbern ehemaliger Kolonialherren eine politische Haltung? Ist das Faken europäischer NGO-Logos Kunst? Und wenn ja: Wer verspottet hier eigentlich wen und warum? Die Ausstellung „Facing the Mockery“ präsentiert vier Künstler und ihren ironischen, subversiven und respektlosen Umgang mit afrikanisch-europäischen Verhältnissen.

mit Arbeiten von Sam Hopkins (Nairobi), Simon Rittmeier (Paris), Yves Sambu (Kinshasa) und Otieno Gomba (Nairobi)

Version française

Peut-on utiliser des objets d’une collection ethnographique vieux d’un siècle pour tourner une vidéo d’aérobic? Est-ce qu’il s’agit d’un position politique de boire du schnaps et de danser sur des tombes d’anciens colonisateurs? Est-ce que c’est de l’art de falsifier des logos d’ONG? Et si oui: qui se moque ici finalement de qui et pourquoi? L’exposition Facing the mockery présente quatre artistes et leur façon ironique, subversive et irrespectueuse d’aborder les relations entre l’Afrique et l’Europe.

 
Yves Sambu: Vanité Apparente - Ein Schein von Eitelkeit

Yves Sambu: Vanité Apparente - Ein Schein von Eitelkeit

 
Ato Malinda (c) Sam Hopkins

Ato Malinda (c) Sam Hopkins

 
(c) Sam Hopkins

(c) Sam Hopkins

 
Simon Rittmeier

Simon Rittmeier

Simon Rittmeier´s Kurzfilm ist inspiriert vom afrofuturistischen Mythos des Ortes „Drexciya“ – einem „Black Atlantis“. Europa ist längst untergegangen und ein junger Schlepper versucht europäische Flüchtlinge mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in Afrika, in Booten über das Mittelmeer zu bringen. Eines Tages sinkt sein Boot und er strandet als einziger Überlebender an die afrikanische Küste. Allein macht er sich auf den Weg in die nächste Großstadt – Drexciya.

Der kongolesische Künstler Yves Sambu interessiert sich ebenfalls für das Umkehren der Verhältnisse. Seine Fotoserie „Vanité Apparente“ zeigt eine Gruppe junger Sapeurs, die auf dem verfallenen, französischen Kolonialfriedhof in Gombe, ihre neusten, dandyhaften Kreationen präsentieren. Sie posieren und tanzen auf den Gräbern in einer Weise, die weit mehr ist als eine respektlose Modenschau.

In „Aerobics made in Africa“ spielt Otieno Gomba mit Erwartungshaltungen und Rollenklischees. Während seiner Residenz am Iwalewahaus in Bayreuth produzierte er keine kritische Auseinandersetzung mit den Objekten der ethnologischen Sammlung, sondern ein charmant dilettantisches Tanz-Video, in dem er zwar noch die vorgeschriebenen weißen Handschuhe des (europäischen) Archivars trägt, aber ansonsten jegliche wissenschaftlich Korrektheit über Bord wirft.

Sam Hopkins nähert sich dem Feld des Nachahmens und Verspottens in Form einer Sammlung realer und frei erfundener NGO-Logos. In seiner Heimatstadt Nairobi, der „Hauptstadt der NGOs“, thematisiert er damit nicht nur eine offensichtliche Hilfsindustrie, sondern auch einen scheinbar international gültigen visuellen Code der Bedürftigkeit. Hopkins präsentiert außerdem „Kenya Navy Sick Bay“, ein Archiv von ca. 300 handgeschnitzten Stempeln aus Kenia, von ‚Zahlungseingang´ bis ‚Krankmeldung´. Die Funktion dieser auf den ersten Blick offiziell anmutenden Stempel ist vielfach unklar und auch der Grund warum sie beim Stempelmacher verblieben und nicht verkauft wurden. Waren sie möglicherweise ohnehin nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt? Oder stimmt irgendetwas mit ihnen nicht – handwerklich, rechtlich, künstlerisch? Als Ganzes betrachtet zeigt das Archiv einen Ausschnitt einer britisch geprägten Administration und zugleich eine scheinbar alltägliche Strategie der Aneignung und Verschiebung dieses Systems.

Veranstaltungsdatum

Mi. 28.10.2015

ab 19.00 Uhr 

Do. 29.10.2015

ab 18.00 Uhr 

Fr. 30.10.2015

ab 18.00 Uhr 

Sa. 31.10.2015

ab 18.00 Uhr 

So. 01.11.2015

ab 18.00 Uhr