Presstext, created on Thu. 16.02.2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Der japanische Theaterregisseur Akira Takayama, seit 2014 assoziierter Künstler am Mousonturm, und sein Kollektiv Port B machen vom 2. bis 26. März 2017 mit der McDonald‘s Radio University Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien, Pakistan, Ghana, Burkina Faso, Eritrea und dem Iran zu Lehrenden. Ihren Vorlesungen kann man in 8 Frankfurter McDonald’s Filialen, aber auch im Lokal des Mousonturms folgen, das sich während des Projektes in eine vom japanischen Architekten Keigo Kobayashi gestaltete Musterfiliale der McDonald’s Radio University verwandelt. Ausgehend von den persönlichen Forschungsinteressen und Lebenserfahrungen der Lehrenden finden sich im Vorlesungsverzeichnis, das ab1.3. auf www.mru.global veröffentlicht wird, Beiträge aus Naturwissenschaft, Architektur, Wirtschaft, Philosophie, Politik, Kunst- und Kulturwissenschaften, Journalismus, Sport und weiteren Fachgebieten. Parallel zeigt der Mousonturm eine Ausstellung zu diesem Projekt, mit dem Takayamas europa-weit angelegte Reihe European Thinkbelt beginnt — eine Hommage an die visionäre Utopie des britischen Architekten Cedric Price, den „Potteries Thinkbelt“ (1966), der heute als Schlüsselkonzept für den postindustriellen Strukturwandel gilt. Takayama entwickelte daraus die Idee einer erweiterbaren Plattform des Lernens und Denkens im Kontext von Flucht und Migration, die sich - in Restaurants der global agierenden Kette McDonald‘s - bis 2018 quer durch Europa erstrecken soll. Zur Eröffnung der McDonald‘s Radio University am 2.3. ist ab 19 Uhr auch das Frankfurter Radio-Projekt Good Morning Deutschland mit einer Live-Sondersendung im Mousonturm zu Gast.

Die McDonald’s Radio University  wird produziert vom Mousonturm im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser e.V., gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und weiteren Partnern.

Mit einem exzellent spielenden und hochkarätig besetzten Ensemble (Devid Striesow, Sebastian Blomberg, Ursina Lardi, André Jung) adaptiert Regisseur Thorsten Lensing in Karamasow  (3. & 4.3., 19 Uhr; So 5.3., 16 Uhr,  ausverkauft, ev. Restkarten an der Abendkasse) Dostojewskis tausendseitiges Meisterwerk „Die Brüder Karamasow“ für die Bühne. Es ist die jüngste Generation der Romanfiguren, über deren Perspektive sich Lensing einen Zugang zum weitläufigen Personen- und Handlungsgeflecht geschaffen hat. Unerbittlich führt die Inszenierung an ihre zentralen Fragen heran, an die des Glaubens in einer Welt, der Glaubensfragen fremd und unheimlich nahe zugleich sind.

Die argentinische Regisseurin Lola Arias lässt in ihrem dokumentarischen Stück MINEFIELD (9. - 11.3., 20 Uhr, Mousonturm-Koproduktion), das in England von Kritikern als eines der besten Stücke der Saison gefeiert wurde, sechs ehemalige Soldaten aufeinandertreffen, die sich im Krieg um die Falklandinseln feindlich gegenüberstanden. MINEFIELD seziert die Mechanismen kriegerischer Konflikte, das Entstehen von Feindbildern und Hass, die popkulturell aufbereitete Propaganda, die erlogenen Heldenmythen. Ein tiefes, berührendes Erlebnis darüber, was das Töten im Auftrag einer Regierung mit Menschen anrichtet.

Im Prozess der Pubertät und des Erwachsenwerdens begleiten Unsicherheit und Scham die Suche nach den eigenen Worten, doch der Ausdruckswille ist groß. Rebellische Lust kämpft gegen panische Angst, Angriff prallt auf totalen Rückzug. Darüber hat Jetse Batelaan ein hinreißendes Stück gemacht, Der Tag, an dem der Papagei selbst etwas zu sagen hatte (Deutsche Erstaufführung 14. & 15.3., 19 Uhr, ALL IN – für alle ab 14 Jahre), das wir im Rahmen des Festivals Starke Stücke zeigen. Batelaan und sein Theater Artemis werden für ihre Theaterstücke für junges Publikum international gefeiert.

Der Frankfurter Choreograf Fabrice Mazliah kreiert faszinierende Choreografien, in denen er Denkprozesse mit Wahrnehmung und Sprache mit Bewegung verschränkt. Mit dem Tänzer Adam Ster schärft er in seinem intensiven Duo Acme of Emphasis  (Uraufführung 21. - 23.3., 20 Uhr, Mousonturm-Koproduktion im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main) die irritierende, paradoxe Erkenntnis, dass körperlich Erlerntes und instinktive Reflexe, konstruierte Objekte und menschliche Subjekte ineinander aufgehen können.

2015 zeigte der Mousonturm Eko Supriyantos rhythmisches, mitreißendes Tanzstück Cry Jailolo mit jungen Männern aus der entlegenen Region Jailolo. Mit fünf jungen indonesischen Tänzerinnen folgt nun Balabala (25. & 26.3., 20 Uhr, Mousonturm-Koproduktion) in dem er Bewegungen und Raumverständnis des traditionellen Pencak Silat raffiniert verknüpft mit Cakalele und Soya-Soya, zwei Tänzen, die in Jailolo nur Männern vorbehalten sind. Selbstbewusst eignen sich die jungen Frauen die Tänze an und fordern konventionelle Geschlechterrollen heraus. Supriyanto, der bereits mit Größen wie John Adams, Peter Sellars und Madonna arbeitete, steht für einen Tanzstil, der indonesische Bewegungsformen mit zeitgenössischen Techniken verbindet.

Die Choreografin Lina Lindheimer ergründet in ihrer Performance As we are waiting, was vermeintlicher Stillstand mit uns macht. Das Stück ist die erste Produktion des neuen Formates Ensemble Mobil im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main und findet – exklusiv für (zufällig) Wartende ¬– im Warteraum eines Frankfurter Jobcenters statt.

Adriana Almeida Pees setzt im Rahmen der Tanzplattform auch den Workshop Body-Mind Centering® (BMC) (Sa. 11.2., So. 12.2., Anmeldung und weitere Informationen info@tanzplattformrheinmain.de oder Tel. 069 40589563) fort.

Eine neue Generation von Künstlerinnen und Künstlern macht unter dem Label next generation workspace  - neues Theater für junges Publikum (20.2.-10.3.), aber auch Tanz und performative Formate finden sich darunter. Zwischen dem 20.2. und 10.3. sind alle - ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – eingeladen, sich engagiert in die Erprobung neuer künstlerischer Spielräume im Moment ihres Entstehens einzumischen. 12 internationale Theaterschaffende (Joshua Ademola Alabi, Gesa Bering, Wicki Bernhardt, Liljan Halfen, Annika Keidel, Janna Athena Pinsker, Christina Rauchbauer, Katharina Speckmann, Mari-Liis Tigasson, Milena Wichert, Ines Wuttke, Annasara Yderstedt) fordern mit ihren Vorhaben im ersten next generation workspace das Theater für junges Publi-kum heraus. Das Programm finden Sie im angehängten Pdf. Projektskizzen, Por-traits der Beteiligten, Infos zu Orten und Terminen auf www.mousonturm.de Eine große Abschlussrunde des next generation workspace 2016/17 mit Gespräch und Zwischenpräsentationen gibt es am 6.3. (18 Uhr, Eintritt frei, An-meldung via Presse MT oder ngw@mousonturm.de).

2017 ist auch das LICHTER Filmfest Frankfurt International (Eröffnung, 28.3.) wieder zu Gast im Mousonturm. In der zehnten Ausgabe geht es darum, wie
es 2017 um die Wahrheit bestellt ist. Die internationale Filmreihe und das Be-gleitprogramm nähern sich dem Thema in all seinen Facetten an – im Politischen wie Privaten, im Religiösen wie in der Kunst, in den Medien wie in den entfern-testen Parallelwelten. Tickets für alle Filme sind über ww.mousonturm.de er-hältlich, weitere Informationen zum Festival auf www.lichter-filmfest.de.

Lesung und  Konzerte

In Die Tage, die ich mit Gott verbrachte (27.3., 20 Uhr) schildert Axel Hacke seine Begegnung mit dem Schöpfer, der unglücklich über die Unvollkommenheit des eigenen Werks aus seiner Einsamkeit flieht und bei den Menschen Trost sucht. Die so großartige wie versponnene Geschichte ist voller seltsamer Ereignisse, heiter und ernst – man begegnet Gott, dem kleinen König Dezember und dem traurigen Kühlschrank Bosch, der Familie des Erzählers und – weil so vieles, was Hacke vorträgt, aus dem eigenen Leben stammen könnte – vielleicht sogar sich selbst.

Ein stillgelegter Freizeitpark, am Straßenrand zwei alte Dinosaurier aus Fiber-glas. Ein Auto wirbelt Staub auf. Am Steuer ein Mann mit Schnauzer, auf der Rückbank ein Gitarrenkoffer: The Diamond Road Show with Digger Barnes and Pencil Quincey (17.3., 21 Uhr) führt mit selbstgebauter Projektionsmaschine und diversen Musikinstrumenten in nostalgische Comicwelten, dazu spielt Barnes Country, Folk und Blues und VJ Quincy kreiert live trickreiche Projektionen.

Der begnadete syrische Musiker und Performer Omar Souleyman (1.3., 21 Uhr) wurde durch seine schnell und hart gespielten, „Dabke“ genannten, syrischen Hochzeitsweisen bekannt. Er verließ seine Heimat, setzt sich für Kriegsflüchtlinge ein und erobert mit seinem polyrhythmischen Soundamalgam, das gern mit dem Label „Syrian Techno“ belegt wird, auch viele Fans elektronischer Klänge. An seinem letzten Album Bahdeni Nami wirkten international bekannte Größen wie Four Tet und Modeselektor mit.
Das belgische Paar Joy Adegoke und Wim Janssen, aka Joy Wellboy (18.3.,
21 Uhr) entwirft komplexe Klanggebilde, spielt mit experimentellen Beat-Arrangements, lässt sich von R’n’B, Trip-Hop und New-Wave inspirieren und macht wundervolle, erfrischende Songs. Nach Konzerten mit Alt-J, Morcheeba und S O H N und einer 8-Track-EP folgt nun das zweite Album Wedding.

Auf Ihre Akkreditierung freuen wir uns und sind für alle weiteren Fragen gern für sie da.

Herzliche Grüße

Künstlerhaus Mousonturm