Boccalero

Laura Stellacci

Foto einer Tanzperformance: Eine Person in dynamischer Pose mit angewinkelten Armen und zurückgeworfenem Kopf steht vor einem Hintergrund aus dicht gesetzten roten Frakturbuchstaben, die wiederholt das Wort „Boccalero“ bilden. Bewegung und Grafik verschmelzen spannungsvoll.
© Reiner Toerner

Boccalero

Laura Stellacci

Künstlerin, Nonne, Sozialarbeiterin, Aktivistin – Sister Karen Boccalero (1933-1997, Los Angeles) war vieles, nur einfach war sie nicht. Sie trug immer Hosen, niemals ein Habit, sagte immer offen ihre Meinung, immer. Sie trank, rauchte und fluchte. Eine typische Nonne war sie nicht. In Boccalero beschwören drei Tänzerinnen ihre widersprüchliche Persönlichkeit herauf. Eine Hommage, ein Cover-Song, ein Blick auf eine Frau, die sich nicht glätten ließ. In dieser Arbeit wird Tanz zu einer Erinnerung, einer Konzentration – in aggressiver Hingabe an eine fiktionalisierte Figur.

Infos
  • Dauer: circa 60 Minuten
  • Lautsprache: Englisch
  • 26.02. Stern Barabend mit stellacci & kemdoesitagain im Anschluss
  • 27.02. im Anschluss Künstler*innengespräch
  • Uraufführung
  • Mousonturm-Koproduktion
Beteiligte und Förderer

Choreographie und Performance: Liza Baliasnaja, René Alejandro Huari Mateus, kemelo nozipho sehlapelo und Laura Stellacci 
Kostümbild: Reiner-André Törner 
Musikproduktion: Paolo Stellacci 
Lichtdesign: Laura Salerno
Sounddesign: Antonia Alessia Virginia Beeskow 
Textarbeit: Nouria Behloul
Outside Eyes: Alexandra Hennig, Jacq Azarmi, Viktorija Ilioska
Künstlerische Produzentinnen): take the money and run GbR 

HMWK Ottillie-Roederstein-Nachwuchsstipendium

Biografien

Laura Stellacci arbeitet mit Choreografie, Kostümen und kompositorischen Techniken. Indem sie textile Methoden wie Schneiden und Nähen in Sound und Bewegung übersetzt, choreografiert Laura die Verbindungen zwischen narrativen Strukturen und verkörperten Technologien. Sie hat bisher zwei Tanzstücke entwickelt – Radio Donna wurde im Januar 2024 am Mousonturm gezeigt – eine Reihe von Radiosendungen, ein performatives Hör-Format sowie ein VR-Video, das auf einer choreografischen Interpretation einer Sammlung von Kleidungsstücken basiert. 2024 war sie fellow in der Villa Aurora in Los Angeles, wo sie mit den Recherchen zu Sister Karen Boccalero began. Dort entwickelte Laura ein Hörspiel, das im November 2024 von dem lokalen, unabhängigen Radiosender lookoutFM (dessen Antenne aus direkt aus der Villa sendet) ausgestrahlt wurde.

In den letzten zehn Jahren war Liza Baliasnaja als Choreografin und Performerin in Deutschland und Litauen tätig. Ihre Arbeit befasst sich mit Themen wie Macht, Gewalt und Subjektivität, wobei sie sich in letzter Zeit vor allem auf die politische Macht negativer Emotionen konzentriert. Im Jahr 2025 wurde ihre Performance „Chiaroscuro“ für Litauens höchste Theaterauszeichnung, den Goldenen Bühnenkreuz, nominiert. Sie ist Preisträgerin des Young Artist Award des litauischen Kulturministeriums. Ihr neuestes Werk, „Shield is a Weapon“, wurde im Tanzhaus NRW uraufgeführt. Ihre Arbeit ist geprägt von Kooperationen mit Künstlern wie Eszter Salamon, Christine De Smedt, Lenio Kaklea, Lina Lapelytė, Ula Sickle, DD Dorvillier und Mårten Spångberg. Zusammen mit Rūta Junevičiūtė leitet sie eine fortlaufende Workshop-Reihe/ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Sore Spots“, das sich damit befasst, wie sich ungelöste historische Ereignisse im Körper manifestieren. Sie gibt regelmäßig praktische und theoretische Kurse an der Hochschule für Musik und Tanz/ZZT, der Universität zu Köln und der Litauischen Akademie für Musik und Theater. Sie studierte Tanz an der P.A.R.T.S. und Philosophie an der KU Leuven. Seit 2023 lebt sie in Köln.

René Alejandro Huari Mateus arbeitet schon wieder in einer Institution. Eigentlich springt sie – im Überlebensmodus, wie bei Mario Bros – als Freelancerin von einer zur nächsten. Wenn sie in eine Institution zurückkommt, sind neue Gesichter da, andere sind geblieben, alle arbeiten hart – und jede neue Krise verschiebt die Frage von „Was können wir verbessern?“ zu „Wie halten wir uns überhaupt?“. Auch sie selbst – gleich geblieben oder doch verändert – stellt sich im Gehen durch die Institutionengebäude immer wieder dieselbe Frage: Unter welchen Bedingungen ist Zugehörigkeit überhaupt möglich? Das Gefühl, einer Institution fremd zu sein, unterscheidet sich im Nervensystem kaum vom Gefühl, Deutschland fremd zu sein: Wachsamkeit, Selbstbeobachtung, leichte Alarmbereitschaft. As Sara Ahmed writes: the stranger is not simply the one who is not known, but the one who is already known as not belonging.

kemelo nozipho sehlapelo ist südafrikanisch. afrikanisch. eine Mischung aus IsiZulu, Sesotho und Ndebele. eine Mischung aus allen Orten und Räumen, die they berührt haben. They/she, wenn wir die englische Sprache verwenden. Ihr Name oder andere Bezeichnungen, wenn nicht. Spielt gerne mit dieser Sprache und ihrem inhärenten Versagen (schreibt). Beschwört gerne die Abrechnung der Vorfahren UND der Diaspora auf europäischem Boden herauf und greift gerne auf dieses Wissen durch die Lebendigkeit von Körper und Geist auf afrikanischem Boden zu (tanzt). Ist überall dort zu Hause, wo their Wurzel-Chakra ist, was aktuell in Frankfurt (Deutschland) ist.

Reiner Törner ist Kostüm- und Fashion Designer. Für „Boccalero“ entwickelt er ein System aus Schichtung, Eingriff und Oberfläche, die zur zweiten Ebene der Choreografie werden. Die Kostüme erzeugen eine Bildsprache zwischen Devotion und Pop-Subversion, als tragbares Archiv, das sich erst beim Sehen (und Verfehlen) der Performerinnen in Bewegung, Blickwechsel und Wiederholung vollständig lesbar entfaltet. Er studierte an der Universität der Künste Berlin, der Universität für angewandte Kunst Wien und am Royal College of Art London. Stationen u. a.: Maison Margiela, J.W. Anderson und prägte massgeblich den Aufbau, die visuelle und strategische Positionierung der Marke Kasia Kucharska. Auszeichnungen: FCG/VOGUE Fashion Fund, BERLIN, BERLIN Prize (Highsnobiety), Imagine Talents (Fendi & Kopenhagen Fur).