„Soles“ ist ein Bühnenritual, eine Geräuschküche und ein Tanz-Zauber für Körper und Dinge, die sich nicht fassen lassen. Eine Band von Trickstern führt uns durch einen nie endenden Auf- und Umbau. Ein Loch, in dem die Ordnung der Dinge auf den Kopf gestellt wird. Organische, synthetische und technische Körper treten in Zyklen der Gestaltwandlung und gegenseitigen Aktivierung ein, weigern sich, so zu funktionieren, wie es von ihnen erwartet wird, und bestehen auf ihrem Recht, unfassbar zu bleiben. Die Produktivität verlangsamt sich, Funktionen versagen, Stabilität bröckelt, Nützlichkeit wird nutzlos. Nichts dient, alles wirkt. Alltägliches wird zu Magie, Müll zu einem Schatz. „Soles“ ist eine Einladung, sich an die angeborene Lebendigkeit und Queerness der Dinge zu erinnern und sich auf ein verworrenes, instabiles Miteinander einzulassen. Es erforscht, was passiert, wenn wir aufhören, den Boden als selbstverständlich anzusehen. Wenn Objekt-Subjekt-Hierarchien aufgehoben werden, Kategorien aufbrechen und Bedeutung immer weiter zerfließt.
Infos
- Dauer: ca. 90 Min.
- Sprache: Lautsprache Englisch
- Uraufführung
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit des Spielorts
Beteiligte und Förderer
von und mit: annu mensen, Blanca Gómez Terán, Isidora Gazmuri, Till Bürgin
Kostüme: Lucas Guigonis
Prozessbegleitung: Raha Dehghani Vinicheh
Lichtberatung: Laura Salerno
Produktionsassistenz: Tolja Haß
Besonderer Dank gilt: Bojana Kunst, Xavier Le Roy und dem Kurs „Putting your Works at Work“, Andros Zins-Browne, Claire Vivianne Sobottke, Lagha Ghavam, Morteza Zarei, Murillo Basso, Xdzunúm Danae Trejo, Malin Harff, Nargess Behrouzian, Linda Jiayun Gao-Lenders, Johanna Mensen, Archana Ravi
Produktionshinweise und Förderer: Künstler*innenhaus Mousonturm, Hessische Theaterakademie, Kulturamt Frankfurt, Gießener Hochschulgesellschaft, Freunde Internationales Theater
Biografien
annu mensen arbeitet in den Bereichen Performance, Choreografie, Installation sowie Tanz- und Bewegungspädagogik und schreibt Audiodeskriptionen für darstellende Künste. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit den poetischen und politischen Dimensionen der Beziehungen zwischen menschlichen, nicht-menschlichen und unsichtbaren Körpern, geleitet von dem Interesse, die Magie alltäglicher Zustände und seltsamer Realitäten zu vergrößern. Zu den Praktiken, die ihre Arbeit prägen, gehören Vipassana-Meditation, verkörperte Anatomie und Clown-Aktivismus. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig und des klassischen Tanzes am Indonesian Institute of Arts in Yogyakarta absolvierte annu eine Ausbildung zur Tanz- und Bewegungspädagogin in Berlin. Derzeit schließt sie mit einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes den Masterstudiengang Choreografie und Performance an der JLU Gießen ab.
Blanca G. Terán ist Choreografin und Grafikdesignerin und lebt in Deutschland. Mit ihrem Hintergrund in Architektur bewegt sich ihre Arbeit zwischen bildender und darstellender Kunst und nähert sich der Choreografie als einem Raum für wahrnehmungsbezogene und politische Untersuchungen. Neben ihrem akademischen Studium hat sie eine unabhängige Ausbildung in zeitgenössischem Tanz absolviert, darunter die Teilnahme am PACAP am Forum Dança in Lissabon (2017–18), angetrieben von einer tiefen Leidenschaft für Tanz und Choreografie sowie dem politischen Bedürfnis, über den Körper nachzudenken. Derzeit ist sie Teil des Masterstudiengangs Choreografie und Performance (CuP) an der ATW Gießen. Blanca versteht choreografische Praxis als einen Ort der Begegnung für die Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg.
Isidora Gazmuri ist eine chilenische Schauspielerin, Performerin und Dramatikerin. Sie studierte Theater an der Universidad de Chile. Im Laufe ihrer Karriere hat sie in mehreren Aufführungen und Theaterstücken mitgewirkt, hauptsächlich als Schauspielerin und Produzentin. Parallel dazu begann sie eigene Forschungen im Bereich Bewegung und Theater, insbesondere zur Beziehung zwischen Objekten, Materialität und Körper. Zunächst näherte sie sich diesem Thema über Puppen und absolvierte eine Spezialisierung bei der renommierten chilenischen Puppentheatergruppe Viajeinmovil. Anschließend absolvierte sie eine Künstlerresidenz im CCC und studierte mit einem DAAD-Stipendium Choreografie und Performance an der Justus-Liebig-Universität in Deutschland.
Till Bürgin (*2001 in Basel) studierte Klangkunst in Bern und studiert derzeit Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit liegt irgendwo zwischen Text und Musik und der Suche nach deren gegenseitiger Auflösung in performativen Kontexten. In kollaborativen Projekten reicht ihre Arbeit von der Komposition der Musik bis zum Sounddesign für Performances, wobei sie sich stets dafür interessiert, wie Klang selbst performativ eingesetzt werden kann.
students of the invisible
students of the invisible
things don’t stay
nor disappear.
they just hide in the air.
when the earth giggles,
they shake
secret dance
pop.
one fool.
speaks in inverted tongues
crawls through cables
falls through holes
falls, pop.
grows in kinks and curves
hatches, inverts
curves.
giggles at concrete
worships the discarded
disobeys, pop.
eight soles
four tongues
one body
one fool.
ground full of holes
things full of soles
A leaf a gourd a shell a net a bag a sling a sack a bottle a pot a box a container. A holder. A recipient. The first cultural device was probably a recipient.
– Ursula K. Le Guin
Hinweise zu sensorischen Reizen
- zeitweise Dunkelheit
- laute Geräusche
- Momente mit hellem Licht
- Ansprache an das Publikum