Philippe Quesne ist einer der bedeutendsten französischen Theatermacher. In seiner neuen Arbeit bringt er eine kleine, leicht exzentrische Gemeinschaft zusammen, die mit Humor und Melancholie die Rolle der Kunst im Alltag hinterfragt. „Le Paradoxe de John” ist ein feines Spiel über Einsamkeit, Gemeinschaft und die Magie des Alltäglichen. Philippe Quesne knüpft darin an eines der ersten Stücke an, das in bleibender Weise das Publikum bezauberte: 2007 porträtierte „L’Effet de Serge” einen einsamen Menschen, der sonntags kleine Shows für seinen Freundeskreis organisiert und dafür in seine einzigartige und fragile Fantasiewelt einlädt. Nun gilt es, gemeinsam eine Kunstgalerie einzurichten – und dafür muss die ganze schön-schräge Kunst gleich mit erfunden werden. Auf der Bühne entsteht ein ebenso humorvolles wie poetisches Universum aus animierten Objekten, einem Pianola, Schaumstoffskulpturen und doppelbödigem Laminat. Das Stück untersucht erneut den Platz der Kunst im Alltag, während musikalische und visuelle Erfindungen auf die poetisch eigenwilligen Texte der Autorin Laura Vazquez treffen. Zwischen atmosphärischen Effekten und absurden Situationen entsteht ein Theater der Nähe, das Menschen, geisterhafte Wesen und Gegenstände in einer gemeinsamen Komposition versammelt und die Notwendigkeit des künstlerischen Akts betont, so klein er auch sein mag.
Infos
- Dauer: 80 Min.
- Sprache: Französisch, Englisch, Italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln
- Mo 11.05.: Gespräch im Anschluss
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit des Spielorts
Beteiligte und Förderer
Konzept, Inszenierung, Bühnenbild: Philippe Quesne
Text: Laura Vazquez
Mit: Isabelle Angotti, Céleste Brunnquell, Marc Susini, Veronika Vasilyeva-Rije, Marc Chevillon
Kostüme: Anna Carraud
Kostümassistenz: Mirabelle Perot
Bühnenmanagment und künstlerische Zusammenarbeit: François Boulet, Marc Chevillon
Technische Mitarbeit: Thomas Laigle
Malerei und Dekor: Marie Maresca
Produktion: Alice Merer / Vivarium Studio
Produktionsassistenz: Mathilde Prevors
Musik: Noel Boggs, Fred Buscaglione, John Cage, Morton Feldman, Friedrich Hollaender, Lucy Railton, Franz Schubert, Demetrio Stratos, Riz Ortolani
Dank an: Zinn Atmane, Lola Bourdin (eniedocc), Jean-Charles Dumay, Léo Gobin, Sébastien Jacobs, Paul Nougé, Florian Sanchez (Eugène Blove), Lisa Sturacci, Maud Wyler, Julia Zastava
„Le Paradoxe de John“ wird im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Mousonturm“ durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main gefördert.
Koproduktion: La Commune, CDN Aubervilliers, Festival d’Automne in Paris, Théâtre de la Bastille, Théâtre Garonne – Scène européenne, Maillon Théâtre de Strasbourg – Scène européenne, Maison Saint-Gervais – Genf; Kampnagel Hamburg.
Unterstützt von: Region Île-de-France. Vivarium Studio wird von der DRAC Île-de-France – Kulturministerium – gefördert. Das Ensemble erhält regelmäßige Unterstützung vom Institut Français für seine internationalen Tourneen.
Biografie
Philippe Quesne studierte Bildende Kunst und Bühnenbild in Paris und arbeitete danach über zehn Jahre lang als Bühnenbildner, bevor er 2003 das Ensemble „Vivarium Studio“ gründete. Er hat eine Theaterwelt und Inszenierungen geschaffen, in denen Menschen und ihre Umgebung miteinander interagieren. Seine Stücke touren weltweit, und gemeinsam mit ausländischen Ensembles entstehen neue Produktionen. Er war künstlerischer Leiter des Théâtre Nanterre-Amandiers (2014–2020) und der Ménagerie de Verre in Paris (2022–2025). Seine Werke zeichnen sich durch einen poetischen und experimentellen Umgang mit Materialien, Objekten und kollektiven Lebensweisen im Alltag aus – sowie durch jene stille Absurdität, mit der diese auf magische Weise die Schönheit des Alltäglichen feiern.