In tiefsten Tiefen: Ein Kollektiv aus hörenden Musiker*innen taucht gemeinsam mit zwei Tauben Choreograf*innen ab – und erforscht die Tiefsee als Vorbild grenzenloser Wahrnehmungswelten. Inspiriert von den Unterwasserfilmen des Biologen und Filmemachers Jean Painlevé verwandelt sich in „Touching From A Distance” die Bühne zu einem Ort, an dem sich Schwingungen und Vibrationen übertragen, Perlenfäden in Regenbogenfarben schillernd leuchten, tiefste Bässe in Wellen den Raum fluten und sich das Sicht- und Hörbare vielschichtig verbinden. Die Frankfurter Musiker*innen Yuka Ohta und Diego Ramos Rodríguez von Matter of Facts Studio, bekannt für ihre Arbeit im Feld der Neuen Musik, begegnen dem Hip Hop- und Street-Style-Choreografen Dodzi Dougban. Zwischen Druckverhältnissen, Körpersprache(n), Beats und Vibrationen lassen sie gemeinsam die Grenzen des Sicht- und Hörbaren verschwimmen. In enger Zusammenarbeit mit Choreograf*in Rita Mazza verschreibt sich das Ensemble der visuellen Musik und ihrer Textur. Die Tiefsee als bedrohtes und weitgehend unerforschtes Ökosystem wird zu einem utopischen Ort, in dem Spekulation und Wagnis neue Begegnungen ermöglichen. „Touching From A Distance“ ist ein experimentelles Musiktheater im Tiefenrausch, eine gemeinsame Suche nach dem Körper in der Musik und der Musikalität von Choreografie. Das Publikum wird eingeladen, selbst einzutauchen und sich treiben zu lassen.
Infos
- Sprache: ohne Lautsprache
- Dauer: circa 60 Minuten
- Hinweis: Stroboskop wird eingesetzt
- 19.06. Künstler*innengespräch im Anschluss. In deutscher Gebärdensprache und deutscher Lautsprache mit Übersetzung
- im Stück kommt Deaf-Performance vor
- DGS to go
- Uraufführung
- Mousonturm-Koproduktion
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit der Veranstaltung
Barrierefreiheit des Spielorts
DGS to go: Übersetzer*innen in Deutsche Gebärdensprache sind vor und nach der Veranstaltung vor Ort
Beteiligte und Förderer
Konzept: Matter of Facts Studio, Rita Mazza & Dodzi Dougban
Performance/Musik: Yuka Ohta, Diego Ramos Rodríguez
Performance/Tanz: Dodzi Dougban
Choreografie & Outside Eye: Rita Mazza
Regie & Licht: Gregor Glogowski, Benjamin Hoesch
Bühne, Kostüme & Video: Marina Rengel Lucena
Klangregie & Programmierung: Lukas Nowok
Grafik: Sebastian Pataki
Mitarbeit Produktion: Andreas Jahncke / Marie Kübler
Produktionsleitung: ehrliche arbeit
Eine Koproduktion von Matter of Facts Studio mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm, gefördert durch den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Kulturamt der Stadt Frankfurt.
Das Jubiläumsprogramm „100 Jahre Mousonturm“ wird durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am
Main gefördert.
Hinweise zu sensorischen Reizen
- Einsatz von starken Subbässen und Lautstärken
- Einsatz von intensivem Licht
- Einsatz von Nebel
- Einsatz von Stroboskop
Biografien
Matter of Facts Studio ist eine Produktionsplattform für experimentelles Musiktheater, Konzerte und Workshops. Das Kollektiv führt Profis und professionelle Dilettant:innen zusammen, um die Grenzen dessen auszuloten, was Musiktheater und die Aufführung von Musik alles sein kann. Ihr formaler Ansatz verbindet Wahrnehmung, Körper und (digitale) Technologien mit performativen und choreografischen Elementen. In ihren Arbeiten verwischen die Bereiche von Improvisation und Komposition. In einer lustvollen und kollaborativen Ästhetik erkunden sie zum Beispiel als ein Kollektiv hörender Künstler:innen die Zusammenarbeit mit Tauben Choreograf:innen, das Potential einer klimagerechten Oper oder die Soundscapes einer unbekannten Tiefsee. Gegründet 2021 zeigt Matter of Facts Studio Arbeiten von Gregor Glogowski, Benjamin Hoesch, Lukas Nowok, Yuka Ohta, Diego Ramos Rodríguez und Marina Rengel und arbeitet dafür regelmäßig mit Theatern und Produktionshäusern wie dem Mousonturm Frankfurt und Kampnagel Hamburg zusammen. Matter of Facts Studio erhält eine Mehrjahresförderung der Stadt Frankfurt am Main und wird von Ehrliche Arbeit (Berlin) betreut.
Rita Mazza ist eine in Berlin lebende Performancekünstler*in, künstlerische*r Leiter*in und Gebärdensprachechoreograf*in in visuellen Performances für gehörlose und hörende Zuschauer. Im Rahmen der Residenz „Making a Difference“ forschte sie an der Bereicherung der Ausdrucksmöglichkeiten der Gehörlosen-Community durch die Kombination von Gebärdensprache und Tanzbewegungen. Sie war 2023 Gastkuratorin für Gebärdensprachkunst und Gehörlosenkultur beim Theaterformen Festival. Rita Mazza hat mehrere Projekte im Bereich der visuellen Gebärdensprache geleitet, darunter „Space 1880“ (2021), „Matters of Rhythm“ (2023) und „The Voice“ (2024).
Dodzi Komlan Dougban ist tauber Tänzer, Performer, Choreograf und Übungsleiter für Breitsport-Lizenz-Trainer aus Recklinghausen. Als Experte für nonverbale Kommunikation setzt er sich für Inklusion im Kunstbereich ein. Mit seiner langjährigen Erfahrung als gehörloser Tänzer, diversen Auszeichnungen, Meisterschaftstiteln und internationalen Tanztheaterproduktionen hat er sich als inspirierendes Vorbild in der Gehörlosen-Szene etabliert. Dodzi möchte durch inklusive Kunsterlebnisse Barrieren überwinden und zeigen, dass Kommunikation ein machtvolles Mittel für gesellschaftlichen Wandel ist. In seiner kreativen Arbeit integriert er Gebärdensprache poetisch in den Tanz und schafft somit Verbindungen zwischen der hörenden und der tauben Welt. Aktuell arbeitet Dodzi an seinem neuen eigenen Stück, in dem er zum ersten Mal die künstlerische Leitung übernimmt. Mit dem Projekt will er neue Perspektiven auf die Erfahrungen und Herausforderungen von tauben Menschen entwickeln. In seinen Tanz-Workshops für Hörende und Nicht-Hörende sowie Fortbildungen zur nonverbalen Kommunikation führt er Teilnehmende an die deutsche Gebärdensprache heran. In seinen Werkschauen setzt er darauf, gesellschaftliche Vielfalt zu fördern und zum Nachdenken anzuregen.