Telling the Untold
Labor für dokumentarisches Theater aus Indonesien, Philippinen und Vietnam

© Rangga Yudhistira
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Telling the Untold
Labor für dokumentarisches Theater aus Indonesien, Philippinen und Vietnam

Für zwei Wochen kommen im Künstler*innenhaus Mousonturm die sieben Künstler*innen Haifa Marwan, Riyadhus Shalihin, RAM Botero, Kyle Confesor, Edwin Quinsayas, Hà Nguyên Long, Đinh Nhung aus Indonesien, den Philippinen und Vietnam zusammen, um künstlerische Formen des Dokumentarischen zu erforschen. Dabei öffnen sie ihre Archive, geben Einblicke in ihre Recherchen und teilen persönliche Erzählungen. Begleitet werden sie dabei von Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger, zwei prägenden Stimmen des zeitgenössischen Dokumentartheaters in Deutschland.

Zum Abschluss des Labors geben die Künstler*innen an zwei Tagen Einblicke durch Work-in-Progress-Showings: Sie öffnen das Labor ihrer Arbeiten, die sich der Wirklichkeit bewusst annähern und sie zugleich herausfordern.

Verborgene Erzählungen drängen an die Oberfläche, unterschiedliche Wahrheiten erhalten eine Stimme. In den darstellenden Künsten Südostasiens entstehen aktuell Freiräume für kritische Perspektiven, die nach Identität, Ausdruck und Veränderung suchen und dabei die Grenzen von Politik und Gesellschaft verschieben.

Infos
  • Dauer Freitag: 120 Minuten
  • Dauer Samstag: 150 Minuten
  • Lautsprache Englisch
  • Im Anschluss an beiden Tagen 20 Uhr The Bug is on Fire von Albert Garcia
Beteiligte und Förderer

mit: Hà Nguyên Long, Đinh Nhung, Haifa Marwan, Riyadhus Shalihin, RAM Botero, Kyle Confesor, Edwin Quinsayas 
Mentor*innen: Hans-Werner Kroesinger, Regine Dura

Ein Projekt von Künstler*innenhaus Mousonturm und Goethe-Institut, gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser durch den Beauftragten für Kultur und Medien sowie im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Mousonturm“ durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und das Goethe-Institut.

Biografien der Beteiligten

Vietnam

Hà Nguyên Long ist Maler, Theaterregisseur und Szenograf sowie Gründer und künstlerischer Leiter von XPLUSX STUDIO, einem unabhängigen kreativen Kollektiv, das an der Schnittstelle von darstellender Kunst und Szenografie arbeitet. Seine künstlerische Praxis untersucht die menschliche Psyche, zwischenmenschliche Beziehungen und die Rolle des kulturellen Erbes bei der Formung zeitgenössischer vietnamesischer Identität. 2020 gründete er „Long Years in Theater“, eine Community-Initiative, die gemeinsame Räume für Künstler*innen und Publikum schafft, um Theater als Medium für den Austausch von Ideen und kulturellen Werten zu erleben. Seit 2024 initiiert er gemeinsam mit XPLUSX STUDIO „TÂN HẬU TRƯỜNG“ (New Backstage), eine Plattform zur Förderung aufstrebender und experimenteller Theaterformen in Vietnam.

Đinh Nhung ist ein*e in Hanoi lebende*r Künstlerin, der*die in den Bereichen Film, Fotografie, Illustration, Kuratieren und Forschung arbeitet. Nhung beschreibt sich selbst als professionelle*n Amateur*in – stets lernend und experimentierend. Die eigene Praxis konzentriert sich auf das Sammeln von Geschichten, Objekten, Kunstwerken und Slang aus Frauen- und queeren Communities, die häufig über Online-LGBT-Archive, das Unstraight Museum, queere Lexika und Filme geteilt werden. Seit 2015 entwickelt Nhung Projekte wie Vagina Talks und A Queer Museum in Form partizipativer Workshops und Ausstellungen. Zu den jüngeren Arbeiten gehören Chỉ Bàn Lộn 02: A Lexicon of Queer and Sexuality in Vietnam sowie fotografische und performative Arbeiten zu den Flusslandschaften des Roten Flusses unterhalb der Long-Biên-Brücke in Hanoi.

Indonesien

Haifa Marwan (Ipeh) ist eine indonesische Theatermacherin mit Sitz in Jakarta, deren Praxis sich auf dokumentarisches Theater, Erinnerung, Identität und die Konstruktion sozialer Narrative durch forschungsbasierte Performance konzentriert. Sie arbeitet mit Teater Ghanta zusammen, wo sie kollaborative und prozessorientierte zeitgenössische Performances entwickelt. Ihre jüngeren Arbeiten beschäftigen sich mit Diaspora und arabisch-indonesischen Erfahrungen anhand persönlicher Geschichten sowie breiterer kultureller und politischer Kontexte. Durch Theater untersucht sie, wie individuelle Biografien mit gesellschaftlichen und politischen Realitäten verwoben sind, und nutzt Performance als Raum für kritische Reflexion und Dialog.

Riyadhus Shalihin ist Theatermacher, Performance- und bildender Künstler aus Bandung, Indonesien. Seine Praxis untersucht Kapital, Erinnerung und räumliche Transformation anhand ortsspezifischer Recherche, Archive, Objekte und der gelebten Erfahrungen von Gemeinschaften und Orten. Zwischen Theater, Performance und bildender Kunst arbeitend, beschäftigt er sich mit Fragen von Dauerhaftigkeit, Materialität und der Beziehung zwischen Körpern und Umgebungen. Er nahm an internationalen Residenzen und Forschungsplattformen in Asien und Europa teil, darunter Kooperationen mit PACT Zollverein, dem Goethe-Institut und den Berliner Festspielen.

Philippinen

RAM Botero ist eine feministische Kulturarbeiterin und transdisziplinäre Künstlerin aus Nabunturan, Davao de Oro, Mindanao auf den Philippinen. Ihre Praxis umfasst Schreiben, Film und Performance und eignet sich Geschlecht sowie Mythologie als Formen des Widerstands an. Sie arbeitet zu Themen wie Erinnerung, Dekolonisierung, ökologischer Gerechtigkeit und staatlicher Gewalt und greift dabei häufig auf indigene Kosmologien zurück, um Gegenwart neu zu denken. Schreiben ist für sie kein Nebenprodukt ihrer künstlerischen Praxis, sondern deren Grundlage, die sich in Film und Performance fortsetzt. Sie ist Mitglied von RESBAK und des Progressive Democratic Futures Collective, wo ihre Arbeit queere Geschichten, kollektive Erinnerung und alternative Zukunftsentwürfe in den Mittelpunkt stellt.

Kyle Confesor ist ein Theaterpraktiker, Pädagoge und unabhängiger Performance-Macher aus Cavite auf den Philippinen. Derzeit unterrichtet er Theater am Colegio de San Juan de Letran. Seine Praxis konzentriert sich auf zeitgenössische, kollaborative und recherchebasierte Performance mit besonderem Interesse an Autor*innenschaft und Handlungsmacht innerhalb kollektiver Theaterprozesse. Zu seinen jüngeren Arbeiten als Autor und Regisseur zählen A Family-Oriented Show: A Theater Play? (Kapit Theater), Salinlahi: A “Puppet” Show? (Balay Tamawo) und The Strugglin’ Artists: A Concept Musical (Black Cat Productions). Aktuell entwickelt er Macbeth on Slippers, eine Arbeit über Machismo und Männlichkeit.

Edwin Quinsayas ist ein Performance-Macher und Kulturarbeiter. Er leitet Tanghalang Mulong Sandoval, ein Theater- und Performanceprogramm innerhalb von SIKAD, einer Kulturorganisation städtischer Armutscommunities auf den Philippinen. Seine Wurzeln im aktivistischen Theater liegen in Erfahrungen aus der Studienzeit, als er Aufführungen zu gesellschaftlichen Krisen erlebte – prägend für eine Praxis, die sich mit Verdrängung, Unterdrückung und Widerstand beschäftigt. Seine 2018 beim Asiatopia Festival gezeigte Performance Fours All thematisierte Arbeitsmigration, während A Feather Duster Got Into the Zoo außergerichtliche Tötungen behandelte. Zu seinen jüngeren Arbeiten zählen Sa Digma ng Halimaw („The Monster’s War“) über den philippinischen „Krieg gegen Drogen“ sowie Gapok über Zwangsräumungen.