Für dieses gemeinsame Projekt werfen She She Pop einen faszinierten Blick auf das Orchester der Jungen Deutschen Philharmonie. Sie entdecken einen monströsen kollektiven Körper – ein vielarmiges, aus multipler Lunge blasendes, expressives Wesen – und zugleich eine vielstimmige, kreative Gemeinschaft wie She She Pop selbst. Anders als die Künstler*innen des Performance-Kollektivs sind die Orchestermusiker*innen allerdings hochspezialisiert und engagieren sich für die gemeinsame Sache streng arbeitsteilig, die Aufmerksamkeit abwechselnd fokussiert auf die Person am Dirigierpult oder den Notentext, dessen Schriftzeichen – notiert von einem nie angetasteten Genie – präzise und in korrekter Reihenfolge umzusetzen sind. Woher stammt die Euphorie, die diese besondere kollektive Praxis bei den Beteiligten und allen Anwesenden offenbar freisetzt? Was ist der Preis dafür? Was ist mit den inneren Widersprüchen, Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten der einzelnen Spieler*innen – ganz zu schweigen von den Hemmungen, Unzulänglichkeiten, den persönlichen Sorgen und Zweifeln? Wie und wo klingen die?
Für Frei_Spiel X: Das Große Ganze entwickeln She She Pop begleitend zum Musikprogramm eigene performative Partituren, in denen der Klangkörper des Orchesters und die individuellen Perspektiven der beteiligten Musiker*innen in einen Dialog treten. Ein Selbstversuch im Kollektiv, in dem die Spannung zwischen Dienst und Ausdruck, zwischen individueller Aufgabe und gemeinschaftlicher Freiheit zu Gehör gebracht wird.
Grażyna Bacewicz - Konzert für Streichorchester (1948)
Diana Syrse - Connected Identities (Part I) (2017-2021)
1. Nahual – Diana Syrse (a compilation of Tzotzil texts by Jorge Miguel Cocom Pech, Enriqueta Lunez, and Briceida Cuevas Cob)
2. The Tower of Babel – Diana Syrse
3. El Aleph – Aleksi Barrière
Darius Milhaud - La création du monde (1922/1923)
Weitere musikalische Elemente, Videos und Performance
Infos
- Dauer: ca. 90 Min.
- Lautsprache: Deutsch
- Do. 20.08.: Empfang vorab & Party im Stern im Anschluss
- Fr 21.08.: Künstler*innengespräch im Anschluss
- Sa 22.08 und So 23.08. mit Audiodeskription und Tastführung
- Uraufführung
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit der Veranstaltung
am 22.08 und 23.08. mit Audiodeskription und Tastführung
- Live-Audiodeskription in deutscher Sprache für blinde und sehbehinderte Zuschauer*innen mit vorangehender Tastführung.
- Die Tastführung startet jeweils 1 Stunde und dauert ca. 30 Minuten. Der Treffpunkt ist vor dem Eingang zum Saal.
- Begleitservice ab Haltestelle Merianplatz (U4), Zoo (U6/U7) und Waldschmidtstraße (Straba) möglich, bitte per Mail oder telefonisch anmelden
- Die Empfangsgeräte und Kopfhörer für die Audiodeskription erhalten Sie am Saaleingang vom Vorderhauspersonal.
- sagen Sie uns gern via barrierefreiheit@mousonturm.de Bescheid, wenn Sie Audiodeskription & Tastführung und evtl. Begleitservice in Anspruch nehmen möchten
Beteiligte und Förderer
Von und mit: Junge Deutsche Philharmonie
Musikalische Leitung: Friederike Scheunchen
Konzept und Künstlerische Leitung: She She Pop
Gesang: Diana Syrse
Programm
Grażyna Bacewicz - Konzert für Streichorchester (1948)
Diana Syrse - Connected Identities (Part I) (2017-2021)
Darius Milhaud - La création du monde (1922/1923)
Weitere musikalische Elemente, Videos und Performance
Violine I: Michael Drescher (Konzertmeister), Siyeon Cho, Valerie Ettenauer, Sofiia Tretiak, Nakyung Yoo
Violine II: Rosa Hagendorf (Stimmführung), Lucas Mathäser, Kosima Shirazi, Clara Windelberg
Viola: Carmen de la Torre Jímenez (Stimmführung), Amelie Gubbe, Maria Alejandra Martinez, Frauke Thomsen-Otter
Violoncello: Anemone Hoffmann (Stimmführung), Larissa Müller, Kamila Sinitska
Kontrabass: Nuria Strobel (Stimmführung), Florian Illner
Flöte: Imke Michaels, Hannah Selina Müller
Oboe: Martín Zulaica Diarte
Klarinette: Oleksii Abashnik, Sarah Lindner
Fagott: Lukas Strietzel
Saxophon: Christine Petersen
Horn: João Ribero do Vale Augusto
Trompete: Tabea Müller, Noel Zach
Posaune: James Reid
Tuba: Leo Kreiner
Schlagzeug / Pauke: Maximilian Fellermann, Sebastian Mai, David Stecher
Klavier: Julius Paul
Raum: Philine Rinnert
Videoart: Benjamin Krieg
Technische Leitung: Sebastian Schackert
Lichtdesign: Matthias Rieker
Ton: Felix Bastian Dreher
Künstlerische Mitarbeit: Elisa Künast, Lidiia Golovanova
Audiodeskription: PingPong Translations mit Janna Düringer, Martina Reuter und blinde Autorin tbc
Produktionsleitung: Fritz Heil
Team Junge Deutsche Philharmonie: Maximilian von Aulock, Tania Vásquez-Schmidt, Thomas Wandt, Johanna Kehl, Fritz Heil, Gwendolyn Grauer
Produktion und Company Management She She Pop: Aminata Oelßner, Elke Weber
Künstlerische Mitarbeit: Elisa Künast, Lidiia Golovanova
PR & Kommunikation She She Pop: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Tina Ebert
Produktion und Company Management She She Pop: Aminata Oelßner, Elke Weber
Eine Koproduktion der Jungen Deutschen Philharmonie und She She Pop in Kooperation mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt am Main und dem Kunstfest Weimar.
Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Stadt Frankfurt a.M., dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, der Dr. Marschner Stiftung, der Dr. Hans Feith und Dr. Elisabeth Feith-Stiftung, der Crespo Foundation, der Freunde der Jungen Deutschen Philharmonie, der Christa Bülow Stiftung, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Biografien
In der Jungen Deutschen Philharmonie finden sich die besten Studierenden deutschsprachiger Musikhochschulen zu einem Klangkörper mit höchstem künstlerischem Anspruch zusammen. Mit Spielfreude und einer unverwechselbaren Energie begeistert sie seit über 50 Jahren Publikum und Kritiker:innen. Ab der Saison 26/27 begleitet John Storgårds das Orchester als Erster Dirigent und Künstlerischer Berater. Jedes Konzertprojekt widmet sich den Programmen mit einer Sorgfalt und Leidenschaft, als wäre die Werke gerade erst entstanden. Neben diesem zeitgenössischen Umgang mit Werken des klassischen und romantischen Repertoires ist die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts grundlegender Bestandteil des Selbstverständnisses. Eine progressive Weiterentwicklung der tradierten Konzertformate, die Kontextualisierung der Programme und die Vermittlung der unbedingten Begeisterung für die Musik sind dabei Grundlage des künstlerischen Handelns. Als Ausbildungsorchester fungiert die Junge Deutsche Philharmonie als wichtiges Bindeglied zwischen Studium und Beruf für junge Spitzenmusiker:innen und gilt in der professionellen Orchesterlandschaft als Gütesiegel künstlerischer Qualifikation. Die Mitglieder sammeln unter professioneller Begleitung Erfahrungen in der Orchesterarbeit auf höchstem musikalischem Niveau. In Qualifizierungsangeboten erwerben sie praxisnah und selbstbestimmt zusätzliche Kompetenzen für ihre Zukunft als erfolgreiche, selbstbewusste und progressive Künstler:innenpersönlichkeiten. Die basisdemokratische Struktur ist seit der Gründung Grundsatz der Zusammenarbeit. Renommierten Ensembles, die aus den Kreisen des Orchesters hervorgegangen sind, diente diese Arbeitsweise als Vorlage – zu ihnen gehören das Ensemble Modern, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, das Freiburger Barockorchester und das Ensemble Resonanz. Bei regelmäßigen internationalen Tourneen tritt das Orchester gemeinsam mit hochkarätigen Dirigent:innen und etablierten Solist:innen in renommierten Konzertsälen Europas auf. Biennal werden im Rahmen des Formats Frei_Spiel musikalische Projekte jenseits des traditionellen Konzertes entwickelt – seien es Festivals, Stummfilm- oder Musiktheaterprojekte. 2025 hat die Junge Deutsche Philharmonie gemeinsam mit dem Ensemble Modern und der Internationalen Ensemble Modern Akademie die Initiative ›Sound Port Frankfurt – Werkstatt für Musik und Experiment‹ ins Leben gerufen. Am gemeinsamen Standort bündeln die drei Institutionen Kompetenzen, Energien und Erfahrungen neu und schaffen einen innovativen Raum für Musik. www.jdph.de
She She Pop sind ein in Berlin ansässiges feministisches Performance-Kollektiv, das in den 1990er-Jahren aus dem Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft hervorging. Die Mitglieder verstehen sich als Autor:innen, Dramaturg:innen und Ausführende ihrer Bühnenhandlung. Das Einbeziehen der eigenen Autobiografie ist dabei vor allem Methode, nicht Zweck der Arbeit. She She Pop praktizieren eine Theaterform, die dem Experiment verpflichtet ist. Sie nutzen die Bühne als Ort der akuten Öffentlichkeit: Hier werden Entscheidungen getroffen, Gesprächsweisen und Gesellschaftssysteme ausprobiert, Sprech-Gesten und soziale Rituale einstudiert oder verworfen. She She Pop sehen ihre Aufgabe in der Suche nach den gesellschaftlichen Grenzen der Kommunikation – und in deren gezielter und kunstvoller Überschreitung im Schutzraum der Kunst. Das Theater wird zu einem Ort für utopische Kommunikation. Auch das Publikum erhält häufig eine besonder Funktion: Sämtliche Arbeiten von She She Pop sind auf ihre Weise Experimente oder Beweisführungen, die ohne Zeug:innenschaft ungültig würden. Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf und Elke Weber. Ehemalige Gruppenmitglieder sind Fanni Halmburger, Claude Jansen, Katharina Oberlik und Anja von Steht. Im Produktionsbüro im Kunstquartier Bethanien in Berlin-Kreuzberg sind Tina Ebert, Aminata Oelßner und Elke Weber verantwortlich für Management, Geschäftsleitung, Administration und Finanzen, Produktion, Akquise, Distribution, Kommunikation und Touring. Das Internationale Produktionshaus HAU Hebbel am Ufer ist seit 2003 She She Pops kontinuierlicher Koproduzent und Kooperationspartner in Berlin. Weitere Kooperationspartner im In- und Ausland sind: Kampnagel Hamburg, Forum Freies Theater in Düsseldorf, Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt/Main, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Residenz Schauspiel Leipzig sowie Kaserne Basel, Theatre de la Ville /Festival D´Automne de Paris, Festival Kyoto Experiment, ACT Festival Sofia, Hängo Teaterträff, SPRING Utrecht, Prager Festival deutscher Sprache, Festival delle Colline Torinesi Turin / TPE – Teatro Piemonte Europa.
Diana Syrse ist eine preisgekrönte Komponistin und Sängerin, die als eine der fesselndsten Stimmen ihrer Generation gilt. Zu ihren Auszeichnungen zählen der Preis der Stadt München, der Teatro-La-Fenice-Preis und der Fedora Audience Award sowie weitere internationale Ehrungen. Ihr Werk umfasst mehr als hundert Kompositionen, von Liedern über Oper, Musiktheater, Orchester-, Chor-, Kammer- und elektroakustische Musik bis hin zu über fünfzehn Bühnenproduktionen. Viele ihrer Werke sind für ihre eigene Stimme komponiert, entweder als Solistin oder in Kombination mit anderen Instrumenten, und wurden sowohl von ihr selbst als auch von anderen Interpretinnen und Interpreten auf internationalen Festivals aufgeführt. Als Komponistin, Sängerin und gelegentlich auch Autorin ihrer eigenen Texte interessiert sie sich für die Schaffung von Musik durch eine konzeptuelle und dramaturgische musikalische Entwicklung, die vom Dialog mit dem Theater und dem Text geprägt ist. Sie engagiert sich in zahlreichen interdisziplinären Kollaborationen und verstärkt neue zeitgenössische Erzählungen, die sich auf politisch und gesellschaftlich relevante Themen konzentrieren. Ihr Werk ist geprägt von emotionaler Tiefe, getragen von Stimme, Text und emotionaler Intensität. Sie bewegt sich zudem zwischen einer rigorosen kompositorischen Praxis und einer instinktiveren, intimeren Welt des Songwritings, als zwei sich ergänzende Dimensionen einer einzigen künstlerischen Stimme. Ihre Musik legt besonderen Wert auf den von lateinamerikanischer Musik beeinflussten Rhythmus und auf die Stimme als Rohmaterial des Schaffens. Mit einem Doktortitel in Komposition von Institutionen in Mexiko, den Vereinigten Staaten, Deutschland und dem Vereinigten Königreich wird sie bei Ricordi, Éditions Lacroch‘ und Sur Editions verlegt.
Die Dirigentin Friederike Scheunchen verfügt über ein außerordentlich breites Repertoire im Opern-, Sinfonie und Ensemblebereich, von alter bis zeitgenössischer Musik bis hin zu experimentellen Formaten: Sie dirigierte unter anderem die Stuttgarter Philharmoniker, das Göttinger Symphonieorchester, Ensemble Modern, Ensemble Musikfabrik, Klangforum Wien (Debüt 2027), das Philharmonisches Orchester Trier, die Junge Deutsche Philharmonie, Ensemble Resonanz, Ensemble Recherche, Ensemble Ascolta, das Bundesjugendorchester, das Freiburger Barockorchester, das SWR Vokalensemble u.v.m. Dirigate führten sie in renommierte Häuser wie die Elbphilharmonie Hamburg, nach Harvard (USA), an die Oper Frankfurt oder in die Laeiszhalle Hamburg, wo sie gemeinsam mit Matthew Herbert ein Bundesliga-Fußballspiel live vertonte. Neben ihrer zahlreichen internationalen freiberuflichen Tätigkeit ist sie seit 2023 als Dirigentin und musikalischeAssistentin von GMD André de Ridder am Theater Freiburg engagiert. Dort übernahm sie unter anderem die musikalische Leitung mehrerer Opern (u. a. Sara Glojnarićs Neuro-Moon [UA], Ellen Reids p r i s m [EA], Schöllhorn/Koffler Alles durch MOW [UA]) sowie Nachdirigate von Werken wie Leoš Janáčeks Jenůfa, John Adams Doctor Atomic, Georg Friedrich Händels Alcina oder Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Pique Dame und dirigierte in Sinfonie- und etlichen Familienkonzerten. Sie verantwortete über 350 Uraufführungen und pflegt eine enge Zusammenarbeit mit zahlreichen zeitgenössischen Komponist*innen. Für interdisziplinäre, musiktheatrale Projekte gründete sie Ensemble Scope. Seit 2021 wird sie vom Forum Dirigieren des Deutschen Musikrats gefördert, welches sie 2023 in die renommierte ‚Konzertförderung‘ aufgenommen hat Von 2021 bis 2023 war sie Stipendiatin der Akademie Musiktheater heute. 2024 wurde ihr von der Stadt Freiburg das Stipendium des Reinhold-Schneider-Preises verliehen. An der Musikhochschule Freiburg leitet sie den Masterstudiengang Interpretation Neue Musik sowie das Ensemble für zeitgenössische Musik. www.friederike-scheunchen.de
Freundeskreis-Special 19.08.
Am Mittwoch, den 19. August trifft sich der Mousonturm-Freundeskreis um 17 Uhr zu einem Glas Sekt im Hof vom Mousonturm, zusammen mit den Freund*innen der Jungen Deutschen Philarmonie, um im Anschluss um 17.30 Uhr gemeinsam in die Generalprobe von „Frei_Spiel X“ zu gehen.
Nur mit Anmeldung!