Frei_Spiel X – Das große Ganze

She She Pop & Junge Deutsche Philharmonie

Die Performancegruppe She She Pop sitzt zu siebt dicht beieinander und blickt von oben fotografiert direkt in die Kamera. Die Personen tragen fließende Stoffe in Rosé-, Violett- und Brauntönen, die mit dem gemusterten Hintergrund verschmelzen.
© Paula Reissig
Ein Gruppenbild der Jungen Deutschen Philharmonie. Das Orchester steht in schwarzer Konzertkleidung in einem modernen Konzertsaal zwischen Notenpulten, Stühlen und Instrumenten. Im Vordergrund sind freie Plätze des Orchesters zu sehen, darunter Streicher-, Blas- und Schlaginstrumente.
© Maximilian Borchardt
Gruppenfoto der Jungen Deutschen Philharmonie auf einer Zuschauertribüne. Die Orchestermitglieder sitzen in schwarzer Konzertkleidung mit ihren Instrumenten auf den Zuschauerbänken. Im Vordergrund sind beleuchtete Notenpulte zu sehen.
© Maximilian Borchardt

Frei_Spiel X – Das große Ganze

She She Pop & Junge Deutsche Philharmonie

Das biennal stattfindende Konzertformat Frei_Spiel steht für die Eigenschaften, die das Orchester ausmachen und auf die die Musiker*innen besonders stolz sind: ein mutiges Programm, das gemeinsam diskutiert und beschlossen wird, Kooperationen mit anderen Künsten sowie die Freiheit, sich auf ein künstlerisches Experiment spielerisch einzulassen.

Für diese Produktion werfen die Performer*innen des Kollektivs She She Pop einen faszinierten Blick auf das Orchester der Jungen Deutschen Philharmonie. Sie entdecken einen monströsen kollektiven Körper – ein vielarmiges, aus multipler Lunge blasendes, hoch expressives Wesen – und zugleich eine vielstimmige, kreative Gemeinschaft wie sie selbst. Anders als die Performer*innen von She She Pop sind die Musiker*innen allerdings hochspezialisiert und engagieren sich für die gemeinsame Sache streng arbeitsteilig, den Blick abwechselnd fokussiert auf die Person am Dirigierpult oder den Notentext, dessen Schriftzeichen – notiert von einem nie angetasteten Genie – präzise und in korrekter Reihenfolge umzusetzen sind.

Woher stammt die Euphorie, die diese besondere kollektive Praxis bei den Beteiligten und Anwesenden offenbar freisetzt? Was ist der Preis? Was ist mit den inneren Widersprüchen, Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten – nicht zu reden von den Hemmungen, Unzulänglichkeiten, persönlichen Sorgen und Zweifeln? Wie und wo klingen die?

Eine Gemeinsamkeit der beiden Kollektive ist die Leidenschaft zum Experiment, der fragende Blick auf das, was als grundlegende Voraussetzung der jeweiligen Kunst gilt: Wofür genau haben wir uns mit dem Publikum verabredet, wenn wir zum Konzert einladen? Und an welcher Stelle treten wir testweise aus diesem Rahmen heraus? Für dieses Konzert entwickeln wir, neben den musikalische Werken von Diana Syrse, Darius Milhaud und Grazyna Bacewicz, eigene performative Scores, in denen der kollektive Körper des Orchesters und die individuellen Perspektiven der beteiligten Musiker*innen in einen expliziten Dialog treten. Ein Selbstversuch im Kollektiv, in dem die Spannung zwischen Dienst und Ausdruck, zwischen individueller Aufgabe und gemeinschaftlicher Freiheit zu Gehör gebracht wird.

Infos
  • Dauer: ca. 100 Min.
  • Lautsprache: Deutsch
  • Do. 20.08.: Empfang vorab & Party im Stern im Anschluss
  • Fr 21.08.: Künstler*innengespräch im Anschluss

Barrierefreiheit

Barrierefreiheit der Veranstaltung

Zugänglich mit Rollstuhl
Angebot für Blinde
Barrierefreie Haltestelle
Barrierefreie Toilette
Behindertenparkplätze vorhanden
Assistenzhund willkommen
Beteiligte und Förderer

Von und mit:
Junge Deutsche Philharmonie
She She Pop
Friederike Scheunchen, Leitung
Diana Syrse, Gesang

Eine Koproduktion der Jungen Deutschen Philharmonie und She She Pop in Kooperation mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt a.M. und dem Kunstfest Weimar.

Förderer: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, Dr. Marschner Stiftung, Dr. Hans Feith und Dr. Elisabeth Feith-Stiftung, Christa Bülow Stiftung, Freunde der Jungen Deutschen Philharmonie

 

Biografien

In der Jungen Deutschen Philharmonie finden sich die besten Studierenden deutschsprachiger Musikhochschulen zu einem Klangkörper mit höchstem künstlerischem Anspruch zusammen. Mit Spielfreude und einer unverwechselbaren Energie begeistert sie seit über 50 Jahren Publikum und Kritiker:innen. Ab der Saison 26/27 begleitet John Storgårds das Orchester als Erster Dirigent und Künstlerischer Berater. Neben einem zeitgenössischen Umgang mit Werken des klassischen und romantischen Repertoires ist die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts grundlegender Bestandteil des Selbstverständnisses. Eine progressive Weiterentwicklung der tradierten Konzertformate, die Kontextualisierung der Programme und die Vermittlung der unbedingten Begeisterung für die Musik sind dabei Grundlage des künstlerischen Handelns.

She She Pop sind ein in Berlin ansässiges feministisches Performance-Kollektiv, das in den 1990er-Jahren aus dem Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft hervorging. Die Mitglieder verstehen sich als Autor:innen, Dramaturg:innen und Ausführende ihrer Bühnenhandlung. Das Einbeziehen der eigenen Autobiografie ist dabei vor allem Methode, nicht Zweck der Arbeit. She She Pop praktizieren eine Theaterform, die dem Experiment verpflichtet ist. Sie nutzen die Bühne als Ort der akuten Öffentlichkeit: Hier werden Entscheidungen getroffen, Gesprächsweisen und Gesellschaftssysteme ausprobiert, Sprech-Gesten und soziale Rituale einstudiert oder verworfen. She She Pop sehen ihre Aufgabe in der Suche nach den gesellschaftlichen Grenzen der Kommunikation – und in deren gezielter und kunstvoller Überschreitung im Schutzraum der Kunst. Das Theater wird zu einem Ort für utopische Kommunikation. Auch das Publikum erhält häufig eine besonder Funktion: Sämtliche Arbeiten von She She Pop sind auf ihre Weise Experimente oder Beweisführungen, die ohne Zeug:innenschaft ungültig würden. Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf und Elke Weber. Ehemalige Gruppenmitglieder sind Fanni Halmburger, Claude Jansen, Katharina Oberlik und Anja von Steht. Im Produktionsbüro im Kunstquartier Bethanien in Berlin-Kreuzberg sind Tina Ebert, Aminata Oelßner und Elke Weber verantwortlich für Management, Geschäftsleitung, Administration und Finanzen, Produktion, Akquise, Distribution, Kommunikation und Touring. Das Internationale Produktionshaus HAU Hebbel am Ufer ist seit 2003 She She Pops kontinuierlicher Koproduzent und Kooperationspartner in Berlin. Weitere Kooperationspartner im In- und Ausland sind: Kampnagel Hamburg, Forum Freies Theater in Düsseldorf, Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt/Main, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Residenz Schauspiel Leipzig sowie Kaserne Basel, Theatre de la Ville /Festival D´Automne de Paris, Festival Kyoto Experiment, ACT Festival Sofia, Hängo Teaterträff, SPRING Utrecht, Prager Festival deutscher Sprache, Festival delle Colline Torinesi Turin / TPE – Teatro Piemonte Europa.