La langue de Molière – eine widerständige Ballettkomödie

La Fleur

The photo shows six performer* artists posing as a group in front of a white wall. Two hold painted fabric panels as a backdrop. In the foreground, one performer kneels with a thick rope wrapped around their torso and legs, while the others stand beside them wearing transparent or patterned costumes.
© La Fleur
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La langue de Molière – eine widerständige Ballettkomödie

La Fleur

Aus Molières „Der Bürger als Edelmann” mixt das Team von La Fleur aus Frankreich, Mexiko und Elfenbeinküste seinen eigenen urbanen Tanz- und Sprachstil: Die klassische Ballettkomödie über naiv-brutale Aufstiegsgier wird zum perfekten Gegengift, um mit befreiendem Spott die koloniale Macht französischer Hochkultur und den Fluch erzwungener Anpassung loszuwerden.

„Wir sprechen die Sprache Molières (On parle la langue de Molière)“ ist in der Elfenbeinküste ein geflügeltes Wort. Denn hier gilt Molière als Synonym für die französische Kolonisierung in Sprache und Kultur und als Maßstab dafür, wie man sich gewählt ausdrückt und europäische Normen erfüllt.

Viele Mitglieder von La Fleur sind mit der Ikone Molière aufgewachsen. In ihrem neuesten Stück eignen sie sich „Der Bürger als Edelmann” an. Die Komödie erzählt von den Aufstiegsgelüsten eines Bürgers, der brutal gegen die eigenen Leute vorgeht und durch naive Anpassung an Bildungs- und Benimm-Normen glänzen will. Er nimmt Verfeinerungsunterricht für die höhere Gesellschaft, versteht die Codes nicht und wird von seinen Lehrern finanziell ausgenommen.

La Fleur überträgt Molières Kritik an der Identifikation mit der höheren Klasse auf die (post)koloniale Situation: Längst gibt es in der Elfenbeinküste Gegenbewegungen zur unkritischen Übernahme französischer Kultur. Seit den 70ern sprechen viele Ivorer*innen Nouchi, ein Hybrid aus Französisch, einheimischen Sprachen und neuen Slang-Ausdrücken, die von Gesten und Tänzen begleitet wird. In diesem Sinn übersetzt La Fleur die Ballettkomödie mit ihren schnellen Wechseln von Textszenen und Choreografien in eine eigene lustvolle Musik-Tanz-Wortkunst, um so am Ende Molière gegen Molière auszuspielen.

Infos
  • Dauer: ca. 90 Min.
  • Lautsprache: Deutsch, Französisch, Spanisch
  • Sa 25.04., So 26.04. 20 Uhr
  • Sa. 25.04. Warm up
  • So. 26.04. Gespräch im Anschluss
  • Mousonturm-Koproduktion
Accessibility

Accessibility of Location

Zugänglich mit Rollstuhl
Barrierefreie Haltestelle
Behindertenparkplätze vorhanden
Barrierefreie Toilette
Assistenzhund willkommen
Sponsors and Supporters

Performance: Annick Agbadou aka Annick Choco, Pohe Cedric Kevin Bah aka Ordinateur, Montserrat Gardó Castillo, Hauke Heumann, Carlos Martinez, Franck Edmond Yao aka Gadoukou la Star, Louis Semou Hervé Bie aka Vetcho Lolas
Regie: Monika Gintersdorfer
Choreografie: La Fleur
Musik: Timor Litzenberger (auch auf der Bühne) und Vetcho Lolas

Bühne: Mukenge/Schellhammer
Kostüm: Bobwear

Produktionsleitung: Elvira Ruocco

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste, La Fleur in Koproduktion mit FFT, Künstler*innenhaus Mousonturm, Theater Rampe, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Kampnagel

Biografie

La Fleur ist ein transnationales Theater- und Tanzensemble, das 2016 von der Regisseurin Monika Gintersdorfer und dem Choreografen Franck E. Yao gegründet wurde und Künstler*innen aus Deutschland, der Elfenbeinküste und Mexiko zusammenbringt. Bewegung und Sprache sind bei La Fleur gleichberechtigt, greifen ineinander und werden dem Publikum durch Übersetzungsvorgänge vermittelt. Ein thematischer Schwerpunkt der Gruppe liegt auf der Erforschung aktueller Entwicklungen im urbanen Tanz und transkultureller Pop-Musik, inbegriffen eigener Musik- und Songproduktion. Viele La Fleur-Mitglieder sind Stars ihrer unterschiedlichen Tanzszenen, Sänger*innen, DJs und Musikproduzent*innen. Über die tiefgreifenden praktischen Kenntnisse hinaus versucht La Fleur die politischen und gesellschaftlichen Kontexte zu formulieren, unter denen die Stile entstehen und sich entwickeln, wie z.B. in ihrem Stück „Trio – for the beauty of it”.