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(c) Dennis Dirksen

Enno Bunger

(Hamburg)

Was berührt, das bleibt. Live 2019

Saal unbestuhlt

Konzert

Enno Bungers viertes Album bietet den Soundtrack für ein besseres Leben. Eines, in dem man lieber gute Erinnerungen sammelt als Messenger-Verläufe. Eines, in dem die Qualität des Augenblicks größeren Wert hat als das imaginierte Ziel in der Ferne. „Wir wollen nichts mehr werden / wir wollen nur noch sein.“ Die Konsequenz der Platte liegt darin, dass sie diese Qualität lyrisch wie musikalisch in jedem Ton umsetzt. Mutig öffnen sich Bunger und seine Musiker modernen stilistischen Formen und nutzen sie allesamt zu ihrem Vorteil. „Bucketlist“, „Wolken aus Beton“, „One-Life-Stand“ und vor allem das sechsminütige „Ponyhof“ erzählen ausschweifend und tanzbar entwaffnend emotionale Geschichten in der einzigen Form, die ein ganzes Leben in ein paar Dutzend Verse packen kann: Dem Sprechgesang. Enno Bunger rappt, und das besser und luzider als die meisten Hauptberufler dieser Gattung! „Glaube an die Welt“ wiederum bettet das Flehen um eine Verlängerung des Daseins in eine angemessen schwere Form. „Niemand wird dich retten“ verknüpft seine Sprachbilder von Superhelden und Videogames launig mit „Stranger Things“-Retro- Synthies. „Stark sein“ und „Konfetti“ erinnern als klassisch große und dennoch geschmackvolle Piano-Pop-Balladen an Höhepunkte von Oasis oder Robbie Williams und sind so in diesem Land noch nicht geschrieben worden. Produziert mit Tobias Siebert (sieben Songs), Roland Meyer de Voltaire (zwei Songs) sowie im Alleingang (zwei Songs), findet die Hingabe an das geschenkte Leben Ausdruck in der Sorgfalt der Arrangements und der Tiefe der Emotionen, aber auch in der Verspieltheit der Sprache selbst. Frische Metaphern versprühen echte Lust auf Lyrik. Nach „Wir sind vorbei“ ist „Was berührt, das bleibt.“ ein weiteres Konzeptalbum zur Verarbeitung einschneidender Erlebnisse aus der Feder eines Mannes, der seine ganze Kindheit am Klavier verbracht hat und schon im Alter von 13 Jahren als Barpianist in Ostfrieslands Kneipen spielte. Einer, dessen Wurzeln tief im klassischen Indie- Songwriting eines Bon Iver oder Elliot Smith stecken, dessen Triebe sich aber bis in luftige Höhen von alternativem Hiphop, ästhetischer Elektronik oder wolkenfeinem Trap recken. Nach dem Hören dieses Albums fragt sich jeder, ob er sein Leben wirklich lebt oder doch mal neu laden sollte. Oder, in den Worten Bungers: „Niemand hier kann Dich retten / Niemand, außer Dir selbst.“