
- 17.02.2022, 18.30 Uhrkostenfrei, via Zoom
In den letzten zehn Jahren hat der Choreograph Arkadi Zaides das erforscht, was er ‚Dokumentarische Choreographie‘ nennen möchte. Die ‚Dokumentarische Choreographie‘ integriert Dokumente (Interviews, Zeugenaussagen, Videomaterial, vorhandene Archivinformationen und anderes) in die choreographische Arbeit. Dabei geht es darum, diese Arten von faktischen Informationen mit verkörperten Praktiken zu verbinden, um die sozialen und politischen Realitäten, in denen sie entstehen, zu hinterfragen. Außerdem zielt dieser Ansatz darauf ab, den oft sicheren Raum des künstlerischen Feldes zu überschreiten und durch den Kreations- und Produktionsprozess der künstlerischen Arbeit in den aktuellen politischen Bereich einzugreifen.
In diesem Vortrag wird sich Zaides auf zwei seiner jüngsten Projekte, „Talos“ (2017) und „Necropolis“ (2021), konzentrieren. „Talos“ nimmt ein von der EU gefördertes Projekt zum Ausgangspunkt, bei dem ein innovatives Robotersystem zum Schutz der EU-Grenzen entwickelt und getestet wurde, während „Necropolis“ das bisher detaillierteste Archiv untersucht, das den Tod von Migrant:innen und Asylbewerber:innen auf dem Weg nach Europa dokumentiert. Mit seiner künstlerischen Praxis, die auf der Untersuchung von Dokumenten basiert, möchte Zaides Europas ständigen Wettlauf um Sicherheit diskutieren, der für einige Communities zunehmend Unsicherheit produziert.
Die Veranstaltung findet im Live-Stream (via Zoom) statt. Keine Anmeldung notwendig.
Zugang
https://hfmdk-frankfurt.zoom.us/j/82192661889?pwd=WWhma2s0VXFEOG9iNXgxRU9hTW5lQT09
Meeting-ID: 821 9266 1889
Kenncode: 025612
Biografie
Arkadi Zaides
Arkadi Zaides ist ein unabhängiger israelischer Choreograf und bildender Künstler weißrussischer Herkunft, der derzeit in Frankreich lebt. In Israel arbeitete er mit verschiedenen Kompanien wie der Batsheva Dance Company und der Yasmeen Godder Dance Group zusammen, bevor er 2004 eine unabhängige Karriere startete. Er erwarb einen Master-Abschluss an der AHK Akademie für Theater und Tanz in Amsterdam. Derzeit verfolgt er eine praxis-basierte Promotion an der Universität Antwerpen. Er ist Mitglied der Forschungsgruppe CORPoREAL am Königlichen Konservatorium Antwerpen und Mitglied von S:PAM (Studies in Performing Arts & Media) an der Universität Gent. Seine Performances und Installationen wurden auf zahlreichen Tanz- und Theaterfestivals, in Museen und Galerien in ganz Europa, Nord- und Südamerika und Asien gezeigt. Im Laufe der Jahre hat er Projekte wie „New Dance Project“ (2010–2011) mit der Choreografin Anat Danieli, „Moves Without Borders“ (2012–2015) und „Violence of Inscriptions“ (2015–2018) mit der Wissenschaftlerin, Kuratorin und Dramaturgin Sandra Noeth kuratiert. Er ist Träger zahlreicher Preise, darunter eines Preises für sein Engagement in Menschenrechtsfragen, der Zaides vom Emile-Zola-Lehrstuhl für interdisziplinären Menschenrechtsdialog verliehen wurde.