In „GIGANTEN /// wie wir jagen“ arbeiten Janna Pinsker und Hanna Steinmair an der Utopie eines Solos für Zwei. Ein Körper ist dabei zu wenig.

Janna Pinsker studiert Choreographie und Performance, Hanna Steinmair Angewandte Theaterwissenschaft. In ihrer zweiten Zusammenarbeit untersuchen sie das gemeinsame Mitteilbare dieser beiden Positionen. Die Bühne macht den Raum frei für Spekulationen aller Art, für eine andere Form des Verstehens, man darf lachen, man darf sich wundern und nicht verstehen, man ist gemeinsam mit Anderen in diesem Raum der Spekulation und schaut sich dabei zu.

 

Aber wir sind zu wenige. Deshalb setzen wir uns fort über die Begrenzung des Individuellen hinaus in die Entwicklung einer geteilten Erzählung. Wir begeben uns auf die Suche nach einer Sprache, die körperlich werden kann, suchen nach der Möglichkeit Körper sprechend werden zu lassen, sie aus den gewohnten Konnotationen zu lösen und neu zu setzen.
Dabei gehen wir der Frage nach, wo das politische Potential von Choreographie zu verorten ist, wenn ein Körper für Viele einsteht.

Das Haustier füttern, Geld in den Aktienmarkt anlegen, Radio hören, einen Ausflug machen, eine Wohnung kaufen.

Wir nehmen uns die Affirmation von kulturellen Symboliken als Strategie der Selbstermächtigung vor. Fragmente aus alltäglichen Situationen, Plaudereien, Slang und Phantasien werden wiederholt, in neue Kontexte verfrachtet und monströs neu zusammengesetzt.

Wörter sagen. Wiederholen. Namen geben, Dingen Namen geben. Angeschwemmt werden.

Erzählungen von Figuren werden aufgerufen, kurz angerissen, zeigen sich, zeigen sich an den Performerinnen, zeigen manchmal mehr von sich und verschwinden wieder: Feldmarschallin Hillebrand, eine Horde Power-Haus-Frauen, die durch immaterielle Arbeit die Börse kontrolliert, Brookie Busen, ihres Zeichens Großwildjägerin, eine Spezialistin für die Decodierung von Musikvideos mit Tanzeinlagen, und viele, viele mehr.
Die Bühne wird zum Habitat unerzählter, unmöglicher Geschichten, denen sich Pinsker und Steinmair als Anfangspunkte und Verbindungselemente zur Verfügung stellen. Manchmal erscheinen die Figuren über Bewegungsabläufe, kommen wieder in Gesten oder manifestieren sich in Tonlagen und Sprechhaltungen. Die Performerinnen spielen kontinuierlich mit dem Moment des Übergangs, an dem unklar ist, von wem das Geschehen ausgeht, wer die Handlung übernimmt und wer hier letztendlich wen darstellt.

Was hätte geschehen können, was geschehen ist oder vielleicht gerade passiert.
Wir haben heute einfach mal das gemacht, was wir wollen.

„GIGANTEN /// wie wir jagen“ lässt einer wild-gewordenen Sprache Auslauf, okkupiert und demontiert dabei Gesten und Bewegungen. Pinsker und Steinmair nehmen mit ihren Neukodierungen das Bühnendickicht in Beschlag um herauszufinden, worauf sich Repräsentationen stützen, wovon man sich nicht lösen kann und aus welcher Zeichensprache man sich neu zusammensetzt.

Sich aufs Spiel setzen.Nur ein Ablenkungsmanöver. Ein Spiel beginnen.

Konzept und Performance: Janna Pinsker & Hanna Steinmair * Kostüm: Matthi Müller * Licht: Charlotte Boesling * SFX und Ton: Carlos Franke