Tega Brain/Holly Jean Buck/DISNOVATION ORG/Moritz Frischkorn/Elise Misao Hunchuck

(New York City/Buffalo, NY/Paris/Hamburg/Berlin)

Mapping Complexities: How Market Forces and Political Interests Geoengineer the Planet

Digitales Festivalzentrum & Digitales Festivalzentrum

Diskussion/Panel/Vortrag

Von den laschen Umweltschutzbestimmungen und Arbeitsgesetzen, die unsere Smartphones erschwinglich machen, bis hin zu den Subventionen für fossile Brennstoffe, die dafür sorgen, dass das Internet (noch) mit Kohle betrieben wird – die Komplexität, die der Klimakrise zugrunde liegt, erzeugt oft ein Gefühl von Ohnmacht. Während der Philosoph Timothy Morton vom Klimawandel als „Hyperobjekt“ spricht, ein Thema von so gewaltigem Ausmaß, dass es die Vorstellungskraft überfordert, werden Künstler*innen und Designer*innen aktiv, um uns einen Weg durch die Sackgasse der Marktkräfte, der Materialflüsse und der politischen und geldpolitischen Interessen zu zeigen.

Das Panel versammelt Expert*innen, die uns helfen, die Krise etwas besser zu verstehen: Die Arbeiten der in Australien geborenen Künstlerin und Umweltingenieurin Tega Brain sind ein prägnanter Kommentar zu den Prioritäten der Entscheidungsträger*innen unserer Gesellschaft (z.B. ihre Arbeit Intergovernmental Panel on Capitalism (IPC) aus dem Jahr 2015, die die Website des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) gescannt und alle Erwähnungen des „Klimawandels“ durch das Wort „Kapitalismus“ ersetzt hat).

In ihrem Buch After Geoengineering: Climate Tragedy, Repair, and Restoration (Verso, 2019) legt die amerikanische Geographin und Umweltforscherin Holly Jean Buck dar, wie „die Wiederherstellung des Klimas nicht nur innovative Technologien, sondern auch soziale und wirtschaftliche Veränderungen erfordern wird“.

Das französische Künstler*innen- und Forschungskollektiv DISNOVATION.ORG, das für seine radikale Kritik am technosolutionism bekannt ist, hat gerade eine Forschungsarbeit zu „dominanten Narrativen über Wachstum und Fortschritt“ abgeschlossen. Das Ergebnis – ein spekulatives Wirtschaftsmodell auf der Grundlage von Solarenergie – ist derzeit in ihrer Einzelausstellung Post Growth (03.09.2020 – 17.01.2021, iMAL, Brüssel) zu sehen.

Der deutsche Choreograf und Konzeptkünstler Moritz Frischkorn untersucht in seinem ‘Great Report’ – der als Performance-Lecture vor dem Panel präsentiert wird – wie Marktlogistik und Lieferketten, von Unternehmen euphemistisch als Choreographien bezeichnet, neokoloniale Ausbeutungsstrukturen stärken. Die Recherche führte ihn unter anderem nach Beirut, wo er mit Investor*innen und Aktivist*innen über Abfallprobleme und Landgewinnung sprach, und nach Kreta, wo trotz massiver Probleme der Wasserversorgung aufgrund eines sinkenden Grundwasserspiegels das Bild des Badeparadieses für die Tourismusbranche aufrecht erhalten wird.

Gastgeberin und Moderatorin der Diskussion ist die kanadische Forscherin und Designerin Elise Misao Hunchuck – ihr laufendes RCA-Kursprojekt Something in the Air: The Politics of Atmosphere ist Teil der von Bruno Latour kuratierten ZKM-Ausstellung Critical Zones in diesem Jahr.

Zugang via: Digitales Festivalzentrum oder NODE Youtube-Livestream
Dauer: ca. 90 Min
Sprache: Englisch