>
<

Living Dance Studio, Beijing

(CN)

Memory

Saal

Choreografie/Film/Theater

Obwohl die Kulturrevolution zu den einschneidenden Ereignissen im kommunistischen China zählt, sind Fragen nach den damaligen Vorgängen im chinesischen Alltag immer noch tabu. Die Choreografin Wen Hui und der Dokumentarfilmer Wu Wenguang wagen in ihrem Stück Memory dennoch einen Blick zurück. Während in Ausschnitten aus Propagandafilmen und pathetischen Revolutionsopern Soldaten an brennenden Bücherhaufen vorbeiziehen und unzählige Kinder den Großen Vorsitzenden Mao bejubeln, nehmen sie den Zuschauer mit auf eine fragile und herausfordernde  Reise in ihre eigene Kindheit im China der 1960er Jahre. Während damals draußen die Kulturrevolution tobte, wurde drinnen, in Wen Huis Elternhaus, ihr Bett zur Bühne, das Moskitonetz zum Theatervorhang und die Familie zum Publikum. Gigantisch ist das Netz, das jetzt die Spielfläche des Mousonturms überspannt, der Kinderblick erinnert alles übergroß und gedehnt, eine Nähmaschine hält die Welt zusammen und im Takt. Wen Huis in intensiven, meditativ anmutenden Tanz übersetzte persönliche Erinnerungen mischen sich mit den Stimmen von fünf ehemaligen Rotgardisten aus Wu Wenguangs Dokumentarfilm Meine Zeit bei der Roten Garde. Im dichter werdenden Sog der Bilder und Erzählungen entsteht eine unauflösbare Spannung zwischen individuellem Erinnern und der Macht staatlich gelenkter Bilder und Parolen, zwischen der damaligen kindlichen Begeisterung und den im Rückblick aufkommenden Zweifeln und Tränen der Scham.

Choreografie: Wen Hui * Performer: Wen Hui, Li Xinmin, Wu Wenguang * Dramaturgie/Videodesign: Wu Wenguang
 * Text: Wu Wenguang, Wen Hui * Musik: Wen Bin * Zeichentrickfilm: Hao Zhiqiang * Lichtdesigner: Eduard Steenbergen * Technik: Jia Nannan * Videotechnik: Zou Xueping * Ton: Luo Bing
* Chinesisch mit deutschen Übertiteln * Dauer 8 Stunden * Durchgehender Ein- und Auslass, durchgehend Bewirtung.