Das Künstlerhaus Mousonturm wurde 1988 als eines der ersten Freien Produktionshäuser in Deutschland eröffnet und zählt heute international zu den wichtigsten und erfolgreichsten freien Produktionszentren. Es bietet auf über 4000 Quadratmetern im denkmalgeschützten Turm der ehemaligen Mouson-Seifenfabrik mit einem Theatersaal, zwei Studiobühnen, Probebühnen und Ateliers, Künstlerwohnungen, Bühnenwerkstatt und den Anbindungen von Tanzplattform Rhein-Main und Frankfurt LAB hervorragende Produktions- und Aufführungsmöglichkeiten und kann auch für Veranstaltungen gemietet werden. Seit 1. August 2013 ist Matthias Pees Intendant und Geschäftsführer des Künstlerhauses Mousonturm.

Mission Statement

Als ‚Haus der Künstler:innen‘ stellen wir den wiederkehrenden Austausch mit Kunstschaffenden, Gruppen und Kollektiven der zeitgenössischen freien Szene im deutschsprachigen, europäischen und auch außereuropäischen Raum in den Mittelpunkt unserer Programm- und Produktionsarbeit. Zeitgenössischer Tanz und Choreografie, Performance und innovative Formate internationaler Theaterarbeit von Regisseur:innen, Autor:innen und Schauspieler:innen, die nicht aus dem deutschsprachigen Raum stammen und uns deshalb andere, ästhetische Ausdrucksformen oder radikalere politische Wirkungsweisen nahebringen können, bilden den Schwerpunkt des Mousonturm-Programms. Weiterhin bleibt Raum für Projekte zeitgenössischer Musik und bildender Kunst, wir zeigen Filme, veranstalten Konzerte und präsentieren Installationen. Darüber hinaus begreifen wir die Stadt und die Metropolregion als Bühne, als Interventions- und Aktionsraum, den wir regelmäßig bespielen und gemeinsam mit den Bürger:innen der Stadt erkunden wollen.

Frankfurter Erklärung der VIELEN

Zahlreiche Frankfurter Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen haben die Frankfurter Erklärung der VIELEN bereits gezeichnet. Die Frankfurter Erklärung der VIELEN artikuliert den Zusammenhalt in Kunst, Kultur und Wissenschaft als Teil des zivilgesellschaftlichen Engagements gegen völkisch-nationalistische, fundamentalistische, populistische und autoritäre Weltbilder, gegen rechte Stimmungsmache, Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen. Aktive der Frankfurter Kunst-, Kultur- und Wissenschaftslandschaft setzen mit dieser Erklärung ein gesellschaftspolitisches Signal, das in unser aller tägliche Praxis eingreift. Die Veröffentlichung der Erklärung der Frankfurter VIELEN ist Teil der Initiative DIE VIELEN und Teil der Initiative weiterer Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, die sich mit eigenen Erklärungen bundesweit den VIELEN angeschlossen haben und anschließen.
—> Die Frankfurter Erklärung der VIELEN

Selbstverpflichtung zur Antidiskriminierung des Bündnisses
internationaler Produktionshäuser

Die im Bündnis zusammengeschlossenen internationalen Produktionshäuser sind Orte der Diversität, an denen Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Interessen, Überzeugungen und Erwartungen und aus unterschiedlichen sozialen Lagen zusammenkommen. Diese Orte für alle, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Nationalität, Behinderung, Religion, Kultur, Aufenthaltsstatus, Alter, Klasse, Aussehen oder weiterer Zugehörigkeiten und Zuschreibungen, zu diskriminierungssensiblen Räumen zu machen, ist unsere gesellschaftliche Aufgabe und Verpflichtung.
-> Selbstverpflichtung zur Antidiskriminierung

Awareness

Das Künstlerhaus Mousonturm möchte für sein Team, für die hier arbeitenden Künstler*innen und für das Publikum ein diskriminierungssensibler Ort sein. Wir bestärken unsere Mitarbeiter*innen, unsere Kooperationspartner*innen, künstlerische, technische und administrative Produktionsteams, Gäste und unser Publikum, zu einer Kultur und Atmosphäre des gegenseitigen Respekts und der Akzeptanz im Sinne eines solidarischen Miteinanders beizutragen. Wir sehen es als unsere Aufgabe und Pflicht, gegen jede Form der Diskriminierung aktiv und präventiv vorzugehen und haben Vertrauenspersonen benannt, die sich fortlaufend in diskriminierungskritischer Arbeit qualifizieren. Betroffene können sich vertraulich an sie wenden, um Gehör zu finden, in ihrem Sinne parteiliche Beratung und Support zu bekommen, Handlungsmöglichkeiten zu eruieren oder auch an externe Beratungsstellen weitervermittelt zu werden.

-> Awareness-Team

Ökoprofit

Das Künstlerhaus Mousonturm ist seit 2017 Mitglied des ÖKOPROFIT-Klubs Frankfurt. Umweltschutz mit Gewinn ist das Ziel des betrieblichen Umweltberatungsprogramms ÖKOPROFIT® (ÖKOlogisches PROjekt Für Integrierte Umwelt-Technik). Das Projekt ist ein wesentlicher Beitrag zur umweltgerechten und zukunftsfähigen Entwicklung der Stadt Frankfurt am Main. ÖKOPROFIT® beruht auf Freiwilligkeit und Eigeninitiative der Teilnehmenden und fördert die Verankerung des gemeinsamen Leitziels der Nachhaltigkeit mit den drei Schwerpunkten Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Unsere Ökoprofit-Ziele:
– Mitarbeiter*innen, Publikum und Künstler*innen für bewussten Umgang mit Ressourcen sensibilisieren
– kontinuierlich den Umgang mit Ressourcen überprüfen und reduzieren
– bei Renovierung und bei Um- und Aufrüstung in umweltschonende Geräte investieren
– beim Einkauf auf bewussten Umgang mit Ressourcen achten
– bei Auswahl unserer Auftragnehmer*innen auf deren Umweltmanagement achten
– bei (Dienst)reisen von Mitarbeiter*innen und Künstlergästen umweltschonende Verkehrsmittel nutzen
-> aktuelle Infos

Initiative GG 5.3 Weltoffenheit

Das Künstlerhaus Mousonturm ist im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser neben zahlreichen weiteren öffentlichen Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen Teil der „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“, die in einer Pressekonferenz zum internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2020 ein gemeinsames „Plädoyer für Weltoffenheit“ veröffentlicht hat. Es beruht auf vielfältigen internationalen Arbeitserfahrungen und Arbeitsbeziehungen im Bereich der Wissenschaft und der Kunst ebenso wie auf dem gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und jede Form von religiösem Fundamentalismus. Die Initiative bezieht sich auf den Grundgesetzartikel 5.3, in dem die Freiheit von Kunst und Wissenschaft garantiert wird, und artikuliert die Sorge um ausreichend weltoffene und öffentliche Räume für Diskurse und künstlerische Prozesse, in denen kontrovers und auf Augenhöhe argumentiert und gestaltet werden kann, in denen marginalisierte und ausgeblendete Stimmen, die für kulturelle Vielfalt und kritische Perspektiven stehen, besonderes Augenmerk gilt und in denen insbesondere von keiner Seite die politisierte Definition von Begriffen als ausschließendes Instrument eingesetzt wird. In diesem Zusammenhang spricht sich die Initiative nicht nur gegen die Bewegung BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) aus, die international die israelische Politik angreift und als politisches Gegenmittel den Boykott Israels, u.a. auch den Ausschluss israelischer Künstler:innen und Wissenschaftler:innen von der Teilnahme am internationalen akademischen oder kulturellen Austausch, proklamiert. Sondern sie kritisiert auch die Auswirkungen der sogenannten BDS-Resolution des Deutschen Bundestages, die sich gegen Unterstützer:innen des BDS wendet, welchen in der demokratischen Öffentlichkeit unserer Kultur- und Diskursräume keine Bühne mehr gegeben werden soll. Die Initiative beschreibt die daraus entstehende Problematik für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft so: „Unter Berufung auf diese Resolution werden wichtige Stimmen beiseite gedrängt und kritische Positionen verzerrt dargestellt. Weltoffenheit, wie wir sie verstehen, setzt eine politische Ästhetik der Differenz voraus, die Anderssein als demokratische Qualität versteht und Kunst und Bildung als Räume, in denen es darum geht, Ambivalenzen zu ertragen und abweichende Positionen zuzulasssen.“

-> Vollständiger Text des Plädoyers

-> Mitschnitt der Pressekonferenz vom 10.12.2020

Die Intendantinnen Bettina Masuch und Kathrin Tiedemann vom tanzhaus nrw und FFT Düsseldorf, ebenfalls Teil des Bündnisses internationaler Produktionshäuser und Beteiligte an der Initiative, konkretisierten diese Problematik am 16.1.2021 in der Rheinischen Post gemeinsam mit dem Intendanten des Düsseldorfer Schauspielhauses, Wilfried Schulz, folgendermaßen: „Wir wollen nicht damit umgehen müssen, dass Opfernarrative gegeneinandergestellt werden und das wissenschaftliche und künstlerische Positionen in unserem Diskurs nicht zugelassen werden sollen, weil ihnen – immer wieder und durchaus mit politischer Insistenz und oftmals wenig schlüssig belegt – Nähe zum BDS unterstellt wird. Auch unabhängig von den konkreten künstlerischen Werken. Wir wollen nicht bei jedem Festival oder Gastspiel die Biografien von Künstlern recherchieren und überprüfen müssen, ob sie jemals israelkritische Positionen geäußert haben. Wir wollen nicht israelische Künstlerinnen und Künstler sowie Freundinnen und Freunde kritisch zu ihrem Engagement in ihrem eigenen Land befragen müssen. Nach unserer Erfahrung und Kenntnis geht es bei dieser Auseinandersetzung durchaus auch um einen vehementen innerjüdischen und innerisraelischen Dialog. Wir finden es absurd, wenn ihrem Staat gegenüber kritische jüdische Künstlerinnen und Künstler aus Israel in Deutschland des Antisemitismus bezichtigt werden und das durchaus Konsequenzen im öffentlichen Handeln hat. Wir konzedieren, dass Künstlerinnen und Künstler aus afrikanischen Ländern oder aus der arabischen Welt andere historische Erfahrungen und Perspektiven haben. Wir beharren darauf, dass die Bühne kein Ort der politischen Propaganda und Werbung ist, sehr wohl aber ein Ort, der in Kunst und Diskurs kontroverse Gedanken und Weltsichten ausstellen kann.“

-> Vollständiger Beitrag der Düsseldorfer Intendant:innen zur Debatte über das Plädoyer