Pressemitteilung, erstellt am Do. 15.02.2018

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

während europäische Politiker mehr denn je um die Zukunft der EU und das Projekt einer europäischen Einigung ringen, gelingt der Kunst dazu Überraschendes:
 

Seit 2007 sammeln zahlreiche Menschen aus Wissenschaft und Kunst für die Encyclopédie de la parole – ein Kollektiv um den weltweit gefeierten französischen Regisseur Joris Lacoste – alle nur erdenklichen Formen des gesprochenen Wortes. Und zwar mittlerweile aus allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union. Zusammen mit dem Komponisten Pierre-Yves Macé hat Lacoste in Koproduktion mit dem Mousonturm mit diesem Sprach-Material und den daran hängenden Auf- oder Erzählungen ein aufregendes neues Musiktheaterstück geschaffen: Die „Suite n°3 ’Europe‘“ (15. & 16.3., 20 Uhr), die wir als Erstaufführung im deutschsprachigen Raum zeigen. Eine Sängerin, ein Sänger, ein Pianist, die versponnene Einkaufsliste einer spanischen Youtuberin, französische Terrorwarnungen für Versammlungsstätten, ein demütigendes Bewerbungsgespräch aus Schweden und viele weitere Texte aus den unterschiedlichsten europäischen Ländern und Extremen fügen sich zu einem rhythmischen, obsessiv-exorzistischen Sprachporträt unseres Kontinents, das den Worten ihre spezifische beleidigende, traurige, peinlich berührende oder schockierende Wirkungskraft durchaus zu entziehen vermag und sie in Zauberformeln der Einigung verwandelt.

Das belgische Theaterkollektiv Ontroerend Goed hingegen verwandelt den Mousonturm in ein Kasino – und verzaubert in seinem neuen, interaktiven Stück „£¥€$“ (Lies, 22.–24.3., 18 & 21 Uhr) die mitzockenden Besucher in Investmentbanker neuen Typs, macht sie zu Strippenziehern einer fiktiven europäischen oder internationalen Finanzökonomie, einer Modellwelt aus Ländern, Märkten, Börsen und Banken, die unserer aktuellen Wirklichkeit in vielem fatal zu gleichen scheint und uns spielerisch quasi am eigenen Portemonnaie  erfahren lässt, wie undurchschaubar und in unabsehbarer gegenseitiger Abhängigkeit die wirtschaftlichen Verhältnisse eigentlich sind. Das Schlimmste daran: Es macht wahnsinnig Spaß. Ohne Bargeld läuft allerdings nichts (bitte mitbringen!), denn nur Bares ist Wahres an diesem ebenso cleveren wie vergnüglichen, hochspannenden Theaterabend!
 

Nach seinen erfolgreichen Stücken „Cry Jailolo“, 2015 am Mousonturm zu sehen, und dem vom Mousonturm auch koproduzierten „Balabala“, das wir 2017 präsentierten, kommt der indonesische Choreograf Eko Supriyanto, der bereits für Madonna und Theatergroßmeister Peter Sellars tanzte, jetzt mit seinem wieder vom Mousonturm koproduzierten Solo „SALT“ (27. & 28.3., 20 Uhr) an das Haus. In seiner kraftvollen Hommage an die faszinierenden Bewegungstraditionen der Nordmolukken und die für die Bevölkerung existenzielle Bedeutung des Wassers verschmilzt Supriyanto javanischen, zeitgenössischen und Modern Dance virtuos zu einem eindringlichen Tanzerlebnis.

Kurz vor ihrem Auftritt bei der Tanzplattform Deutschland in Essennehmen wir Eisa Jocsons vom Mousonturm koproduziertes Stück „Princess“ (12. & 13.3., 20 Uhr) nochmals auf. Darin verhandelt sie mit dem Performer Russ Ligtas in einem spannenden Spiel der Identitäten die Glücksversprechen des Disney-Imperiums mit den Schattenseiten seiner Besetzungspolitik, die den philippinischen Tänzerinnen wegen ihrer Hautfarbe die glamourösen Hauptrollen verweigert und sie nur für namenlose Nebenrollen besetzt.
 

Nicht minder humorvoll und konfrontativ macht Caroline Creutzburg die empörende Differenz zwischen Gehirn und restlicher Welt zum Ausgangspunkt ihrer Performance „Nerve Collection“ (2.3., 20 Uhr) und erkundet, sozusagen als Spionin im eigenen Nervensystem, dort verhaftete Empathien und Intoleranzen. Sie tut dies unauffällig, bleibt sich selbst dabei unbemerkt und stößt so auf ein immer gleiches Pumpen von Aggressionsadern, auf längst überholte Moralprinzipien und uralte Auto-Bio-Materie und dies so begeisternd, dass sie für ihr Solo beim Hamburger Körber Studio für Junge Regie 2017 mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde und soeben mit dem Ponto Performance Preis 2018 der Jürgen Ponto Stiftung zur Förderung junger Künstler zur Realisierung und Aufführung einer neuen Produktion im Künstlerhaus Mousonturm.

Arnita Jaunsubrēna, Lea Schneidermann und Kim Willems wurden 2013 ebenfalls beim Körber-Studio ausgezeichnet und zeigen jetzt als Eliza Rescue Team ihre vom Mousonturm koproduzierte Theaterperformance „Report from the Interior“ (18.3., 18 Uhr, 19. & 20.3., 20 Uhr ), die essayistisch Science-Fiction und Diorama in bildstarke, atmosphärisch dichte Szenen zusammenspannt: Nachdem sich das Eliza Rescue Team Zugang zur glyceringetränkten, versiegelten Natur der Dioramen verschafft und den Sicherheitsabstand zur toxischen Starre dieser lebensfeindlichen, apokalyptischen Szenarien überwunden hat, entgleitet ihm jedoch die Kontrolle und der Mensch selbst steht auf dem Spiel.

Last but not least und vor allem gleich zu Monatsbeginn zeigen wir im März in Kooperation mit dem diesjährigen Starke Stücke Festival für junges Publikum Rhein-Main und im Rahmen unserer eigenen Programmreihe ALL IN für Publikum jeden Alters im März gleich zwei tolle Arbeiten: Tabea Martins Tanzstück „Pink for Girls & Blue for Boys“ (4.3., 16 Uhr & 5.3., 14.30 Uhr, ab 8 Jahren), in dem zwischen Sofa, Zimmerpflanzen, Popcorn, Bühnennebel und Musik zwei Frauen und zwei Männer einen immer wilderen Tanz der Stile und Paare entfachen und darüber auch ein Spiel mit Geschlechterrollen anzetteln. Ein unterhaltsames Stück über Klischees, Vorurteile und bunte Möglichkeiten, das großen Spaß macht!
 

Außerdem kommt die vom Mousonturm koproduzierte Arbeit „TuNix!“ (8.-10.3., 19 Uhr,  ab 12 Jahren) des Künstlerkollektivs SKART und der All-Ages-Performance-Truppe Masters of the Universe nach Frankfurt, die Arbeit und Anstrengung, diesen geradezu heiligen Werten westlicher Welten, eine böse Absage erteilt, stattdessen eine Lanze fürs Nichtstun bricht und genau das auf der Bühne in seinem grenzenlosen Potential lustvoll erforscht.
Im interaktiven Co-Workingspace „SOFT SKILLS gonna bite“ (Uraufführung 18.3., 19 Uhr, 19. & 20.3., jeweils 18 Uhr & 21 Uhr, HTA) des freien Performancekollektivs CHICKS* begegnet das Publikum einer Bodybuilderin und einem Stripper mit denen CHICKS* gemeinsam Maskulinität trainieren und sie gleichzeitig befragen, sie kopieren und imitieren. Sie arbeiten mit dem Publikum an sich selbst und schreiben gesellschaftliche Begehrens- und Machtkonstruktionen um.

13 junge internationale Theaterschaffende sind der Einladung des  next generation workspace 2017/2018  gefolgt, über das vergangene Jahr hinweg Theater und Performance für eine neue, junge Publikumsgeneration zu entwickeln und präsentieren vom 1.-5. März ihre Ideen, Themen und Formate. Bereits ab dem 20.2. besteht die Möglichkeit, an offenen Proben teilzunehmen, eine kurze Mail an ngw at mousonturm dot de genügt. In Kooperation mit Starke Stücke 2018 / Von und mit: Ksenia Ravvina, Māra Gaņģe, Mthokozisi Zulu, Lana Coporda, Monika Kosik, Ossian Hain, Anne Kapsner, Anne Mahlow, Arthur Romanowski, Maud Haddon, Rana Ghaderi, Meike Hedderich, Nele Beinborn. (Programm PDF im Anhang)


KONZERTE

Aus Antwerpen, einem der belgischen Hotspots für Elektronische Musik kommt DSR Lines als Gast in den Geheimen Salon (8.3., 20.30 Uhr). Seine Liveshows gleichen auditiven Akkupunktur-Sessions auf Basis von Modularsequenzen, Neo-New Age und Electronic Gamelan. Davor, danach und dazwischen manipuliert Boney Conrad (SicSic Tapes-Chef Daniel Voigt und Jonas Mies) an Platten und Kassettenspielern Musik aus seinem umfangreichen Fundus.
 

Gregor Pramls Gast im LOKAL Listener ist in diesem Monat Martin Lejeune (18.3., 11 Uhr, Lokal), einer der wichtigsten Jazzmusiker Frankfurts. Er ist nicht nur in den hiesigen Jazzclubs zu Hause sondern auch Eröffnungsact des Deutschen Jazzfestival Frankfurt, er trat im Schauspiel Frankfurt auf und schreibt für das Theaterhaus Frankfurt regelmäßig Bühnenmusiken. Ob Banjo, Mandoline, Pedal Steel, Lapsteel, Theremin, Euphonium, Kontrabass oder Gitarre: Martin Lejeune ist für fast alles zu haben, was Saiten hat und sich zupfen lässt und er wird die Gelegenheit nutzen!

Wer liebt Charlie Chaplins wunderbare Stummfilme „Easy Street“, „The Immigrant oder „The Adventurer“ nicht? Das Ensemble Modern spielt zu den Filmen, jedoch nicht die originale Hollywoodmusik aus den 1920er Jahren, sondern die „ChaplinOperas“ (30.3., 19.30 Uhr, Frankfurt LAB) von Benedict Mason. 1988 anlässlich des 100. Geburtstages von Charlie Chaplin vom Ensemble Modern uraufgeführt, gelten sie als Meilenstein in der Geschichte der Neuvertonung
von Stummfilmen.
 

Pressefotos finden Sie unter www.mousonturm.de/web/de/pressefotos/aktuell. Wir freuen uns auf Ihre Akkreditierungen und stehen für Fragen gern zur Verfügung.

Herzliche Grüße
Künstlerhaus Mousonturm